Das durch die Digitalisierung privater Wohnungen entstehende Smart Home wirft für die Gebäudeversicherung und Hausratversicherung neue Fragen auf: Haben bestehende Versicherungsverträge insoweit Deckungslücken? Ist die Vernetzung eines Gebäudes zum Smart Home eine Gefahrerhöhung im Sinne der §§ 23 ff. Versicherungsvertragsgesetz (VVG)? Kann das Smart Home für den Versicherungsnehmer rechtliche Obliegenheiten gegenüber dem Versicherer erfüllen? Antworten auf diese Fragen werden im Folgenden beleuchtet.

Deckungslücke in den bestehenden Versicherungsverträgen

Die Digitalisierung privater Wohnungen wirft nicht nur vertragsrechtliche, haftungsrechtliche und datenschutzrechtliche Fragen auf. Auch Versicherer und Versicherungsnehmer der Hausrat- und Gebäudeversicherung haben sich auf die betreffende Veränderung des versicherten Objekts einzustellen. Um einen Haushalt in ein Smart Home umzuwandeln, bedarf es zumeist nur weniger technischer Eingriffe in Hard- und Software. Mit wenig Aufwand werden so aus „normalen“ Haushaltsgeräten smarte und vernetzte Geräte gemacht, die auch von außerhalb der Wohnung steuerbare sind. Es lässt sich bereits jetzt sagen, dass die einzelnen technischen Komponenten des Smart Homes vom Versicherungsschutz der traditionellen Hausrat- und Wohngebäudeversicherungen erfasst werden, insbesondere ist die Smart-Home-Hardware durch die Hausratversicherung abgedeckt. Die Hausratversicherung deckt Schäden an beweglichen Sachen, die dem Haushalt des Versicherungsnehmers zur privaten Nutzung dienen, während die Wohngebäudeversicherung Schäden am Gebäude selbst versichert. Gebäude sind darnach nur die mit dem Erdboden verbundenen Bauwerke, welche zur überwiegenden Nutzung zu Wohnzwecken bestimmt sind. Ebenfalls versichert sind Gebäudebestandteile, die durch ihre feste Verbindung mit dem Gebäude ihre Selbständigkeit verlieren und Gebäudezubehör, welches im oder am Gebäude angebracht ist und der Instandhaltung dient.

Es wird versicherungsrechtlich noch abschließend abzuklären sein, ob Smart-Home-Hardware Hausrat oder doch Gebäudebestandteil oder -zubehör ist. Da der überwiegende Teil des Netzwerks aber nicht aus mit dem Gebäude fest verbundenen unselbständigen Komponenten besteht, dürfte grundsätzlich eher die Deckung bei der Hausratversicherung gesucht werden. Einzige Komponenten, die als Gebäudebestandteil unter der Wohngebäudeversicherung versichert werden, sind regelmäßig die vom Smart Home genutzten elektrischen Leitungen, soweit sie innerhalb des Gebäudes unter Putz verlegt sind. Nicht versichert sind unter der Gebäude- oder Hausratversicherung allerdings elektronisch gespeicherte Daten und Programme, da diese nach aktuellem versicherungsrechtlichem Verständnis keine Sachen im Sinne der Versicherungsbedingungen darstellen. Mithin ist aktuell grundsätzlich weder die Smart-Home-Steuerungssoftware unter traditionellen Gebäude- und Hausratversicherungsverträgen versichert, noch übernehmen die betreffenden Versicherer die Kosten für die technische Wiederherstellung von elektronisch gespeicherten, ausschließlich für die private Nutzung bestimmten Daten und Programmen, es sei denn dies wird ausdrücklich individuell im jeweiligen Versicherungsvertrag vereinbart.

Versicherungsnehmer, die ihre private Wohnung zu einem Smart Home umfunktionieren wollen, sind gut beraten, vorab mit dem Hausratversicherer und dem Gebäudeversicherer abzuklären, ob insbesondere im Hinblick auf die Steuerungssoftware und elektronische Daten erforderlicher Versicherungsschutz von diesem zusätzlich angeboten wird. Der Versicherungsschutz kann als weiterer Zusatzdeckungsbaustein im bestehenden Hausrat- oder Gebäudeversicherungsvertrag vereinbart werden. Oder es ist eine separate sog. private Cyber-Versicherung abzuschließen, welche konkret die mit der Steuerungssoftware und der gespeicherten Daten verbundenen Risiken absichert.

Gefahrerhöhung durch Smart Home

Wenn die eigene private Wohnung zum Zeitpunkt des Abschlusses der Hausratversicherung und/oder der Wohngebäudeversicherung noch kein Smart Home war, so stellt sich die Frage, ob durch die Installation der Smart-Home-Technik eine Gefahrerhöhung im Sinne der §§ 23 ff. VVG herbeigeführt wird. Mit der Installation der Smart-Home-Technik gehen nämlich ganz neue Risiken einher: Insbesondere können unbefugte Dritte durch sog. Hacker-Angriffe die vernetzten Elektrogeräte manipulieren und dadurch ggf. sogar den Versicherungsfall (z.B. einen Brand) herbeiführen. Gemäß § 23 Abs. 1 VVG darf der Versicherungsnehmer nach Abschluss des Versicherungsvertrags ohne Einwilligung des Versicherers keine Gefahrerhöhung vornehmen oder vornehmen lassen. Verletzt der Versicherungsnehmer diese Verpflichtung, so kann der Versicherer unter Umständen den Versicherungsvertrag kündigen, eine Prämienerhöhung verlangen oder im Schadenfall sogar Leistungsfreiheit geltend machen. Vor der Installation der Smart-Home-Technik ist also mit dem Hausrat- und Gebäudeversicherer zu sprechen.

Für den Versicherer wird es ein entscheidender Aspekt sein, welche Smart-Home-Technik installiert werden soll und wer diese Installation vornimmt. Bei einer unsachgemäßen Installation der Smart-Home-Technik (z.B. durch den technikunerfahrenen Bewohner selbst) kann ein erhöhtes Risiko vorliegen, welches der Versicherer als eine erhebliche Gefahrerhöhung betrachtet. Insbesondere wird der Versicherer die Frage nach der Absicherung gegen Hacker-Angriffe durch unbefugte Dritter stellen. Das Vorhaben Smart Home sollte vorab mit dem Hausrat- und Gebäudeversicherer im Detail abgestimmt werden und der jeweilige Versicherer sollte bestätigen, dass er in der Installation keine Gefahrerhöhung unter dem bestehenden Versicherungsvertrag sieht.

Erfüllung von Obliegenheiten

Unter Umständen kann die Smart-Home-Technik aber auch helfen, die Verpflichtungen unter dem Hausrat- oder Gebäudeversicherungsvertrag zu erfüllen: Der klassische Schadenfall des Wasserrohrbruchs, der durch gefrorenes Wasser in den Wasserleitungen des unbewohnten Gebäudes verursacht wird, ist in der Gebäudeversicherung grundsätzlich nicht gedeckt. Vielmehr wird den Versicherungsnehmern die vertragliche Obliegenheit auferlegt, für die Beheizung und Kontrolle der Beheizung des versicherten Gebäudes in der kalten Jahreszeit zu sorgen. Das Smart Home kann aber gerade bei Abwesenheit der Bewohner von außen angesteuert und entsprechend beheizt werden. Zukünftig ist es also sehr gut denkbar, dass die Smart-Home-Technik die vertraglichen Obliegenheiten zur Beheizung des versicherten Gebäudes für den Versicherungsnehmer gegenüber dem Versicherer erfüllen kann. Voraussetzung ist freilich, dass die Smart-Home-Technik so weit entwickelt ist, dass sie auch Störungen und ggf. Wartungsbedarf in der Heizungsanlage der Wohnung bzw. des Gebäudes erkennt und anzeigt. Solange dies allerdings noch nicht gewährleistet ist, muss der Versicherungsnehmer eine regelmäßige Zusatzkontrolle selbst durchführen. Zukünftig kann die Smart-Home-Technik den Versicherungsnehmer und – nach entsprechender vertraglicher Vereinbarung auch unmittelbar den Versicherer – über den Eintritt eines Versicherungsfalls informieren, wenn z.B. Feueralarm ausgelöst wird oder sich elektronische Geräte in der Wohnung bei einem Wasserschaden wegen Feuchtigkeit abschalten.

Zudem können durch die Smart-Home-Technik erfasste Daten bei der Bearbeitung eines Versicherungsfalls gute Dienste leisten. Es darf daher davon ausgegangen werden, dass Hausrat- und Gebäudeversicherer daran interessiert sind, zukünftig selbst Smart-Home-Technik zu entwickeln und den Versicherungsnehmern anzubieten, weil dadurch der Versicherungsfall vermieden oder bei Eintritt des Versicherungsfalls die Aufklärung des Sachverhalts erleichtert werden kann. Den Versicherern eröffnen sich durch die Smart-Home-Technik ganz neue Möglichkeiten, Gebäuderisiken zu bewerten und Versicherungstarife anders zu berechnen. Der Versicherungsnehmer sollte die enge Abstimmung mit den Versicherern suchen.