Die Europäische Kommission wird wohl noch in diesem Jahr eine Entscheidung in dem Verfahren gegen die Internationale Eislaufunion (ISU) fällen. Und diese könnte die monopolistische Organisationsstruktur der Sportverbände ins Wanken bringen.

Im professionellen Sport gilt in aller Regel das sog. Ein-Verbands-Prinzip. Es hat zur Folge, dass die Athleten eines Sportverbands nicht gleichzeitig an Sportwettbewerben anderer Verbände bzw. anderer Veranstalter teilnehmen dürfen, sofern hierfür keine Genehmigung ihres Sportverbands vorliegt.

Diese Grundstruktur der Sportorganisation könnte nun von dem Eisschnellläufer Mark Tuitert und dem Shorttracker Niels Kerstholt aus den Niederlanden ins Wanken gebracht werden. Die beiden hatten sich wegen des Teilnahmeverbots der ISU für ein „Ice-Derby“ in Dubai im Jahr 2015 bei der Europäischen Kommission beschwert. Im Raum steht ein Verstoß gegen das Verbot des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung der ISU nach Art. 102 AEUV; es dürfte aber, wie eigentlich immer in Fällen, in denen eine Sportverbandsregelung kartellrechtlich zu bewerten ist, auch eine grundsätzliche Anwendbarkeit des Kartellverbots nach Art. 101 AEUV vertretbar sein. Entscheidungspraxis der Unionsorgane in diesem Bereich gibt es bereits: Der EuGH wertete einst einen Genehmigungsvorbehalt für Motorrad- und Fahrradrennen in Griechenland zugunsten des griechischen Automobil- und Reiseclubs ELPA als Verstoß gegen Art. 102 AEUV (Rs. C-49/07). Und die Europäische Kommission bejahte einen Verstoß gegen das Europäische Wettbewerbsrecht durch den Motorsportverband FIA, weil dieser es den Organisatoren der einzelnen Formel Eins-Rennen untersagt hatte, die Rennstrecken konkurrierenden Rennserien anzubieten (ABl. 2001 C 169/5).

Im Verfahren gegen die ISU dürften die entscheidenden Fragen für die Europäische Kommission sein, ob es einen sachlichen Grund für die monopolistische Verbandsstruktur gibt und ob die damit einhergehenden Beschränkungen für Athleten und (potentielle) konkurrierende Veranstalter erforderlich und verhältnismäßig sind (zum Prüfungsmaßstab Horn, in: Vieweg, Inspirationen des Sportrechts, S. 275, 293 ff.).

Vor diesem Hintergrund kann wohl nicht in Abrede gestellt werden, dass die monopolistische Organisation des Sports dem Bedürfnis nach – am besten weltweit – einheitlichen Regelwerken entspricht, denn diese gewährleistet eine umfassende Vergleichbarkeit sportlicher Leistungen. Schwieriger zu beantworten ist allerdings, ob auch ein absoluter Teilnahmevorbehalt an konkurrierenden Sportwettkämpfen im konkreten Einzelfall hierfür erforderlich bzw. angemessen ist. Insofern scheint es gut möglich, dass die Europäische Kommission zwar nicht das Ein-Verbands-Prinzip insgesamt für kartellrechtswidrig erklärt, dieses aber Ausnahmen zulassen muss (etwa für den Fall, dass der Sportwettbewerb eines konkurrierenden Veranstalters sich zeitlich nicht mit dem Veranstaltungskalender des Sportverbands überschneidet).

Klar ist jedenfalls: Die Sportverbände sehen sich einer immer stärkeren unionsrechtlichen Kontrolle ihrer Regularien sowie ihres Marktverhaltens ausgesetzt. Dort, wo Verbandsregeln das sportliche und damit auch berufliche Schicksal Einzelner bestimmen, regt sich Widerstand. Das Kartellrecht kann hierfür ein scharfes Schwert sein.