Die Frage der Kompetenzverteilung zwischen dem Vorstand und der Hauptversammlung der AG ist ein Dauerthema des Aktienrechts. Der Autor entwickelt ein eigenes Konzept zur dogmatischen Begründung ungeschriebener Hauptversammlungskompetenzen und untersucht, ob für den Börsenrückzug und die fakultative Insolvenzantragstellung eine Zustimmung der Hauptversammlung erforderlich ist. Der Autor lehnt die Frosta-Entscheidung des BGH ab und vertritt die Ansicht, dass der Börsenrückzug (reguläres Delisting wie auch das Downlisting) wertungsmäßig mit den in § 119 Abs. 1 Nr. 2, 6, 8 AktG geregelten Fällen vergleichbar sei und in analoger Anwendung dieser Bestimmungen eines Hauptversammlungsbeschlusses mit einfacher Mehrheit bedürfe. Auch für eine fakultative Insolvenzantragstellung bei drohender Zahlungsunfähigkeit sei nach der Wertung des § 119 Abs. 1 Nr. 5, 8 AktG ein Hauptversammlungsbeschluss mit satzungsändernder Mehrheit erforderlich. Im Interesse der Rechtssicherheit sei es wünschenswert, dass der Gesetzgeber die Fälle des Börsenrückzugs und der fakultativen Insolvenzantragstellung ausdrücklich in den Katalog des § 119 Abs. 1 AktG aufnehme.

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