Gesellschaftliche Trends und disruptive Prozesse in der Wirtschaft sorgen für einen fundamentalen Wandel der Arbeitswelt. Der Übergang von der klassischen Industrie hin zu einer Service- und Netzwerkökonomie ist geprägt von einer neuen Kultur des Arbeitens und einer zunehmenden digitalen Wertschöpfung.

Die Arbeits- und Unternehmensorganisation findet künftig unter völlig neuen Bedingungen statt. Während flexible, team- und projektorientierte Arbeitsformen sich ausweiten, verlieren starre Berufsbilder und regulierte Beschäftigung an Bedeutung. Mobiles, vernetztes Arbeiten wird zum integralen Bestandteil des Alltags – mit allen Konsequenzen für die Firmen- und Führungskultur, die Businessmodelle und Produkte, die Kommunikation, das Talent- und Innovationsmanagement. Arbeit wird in zeitlicher und räumlicher Hinsicht entgrenzt, wodurch die Komplexität von Arbeitsumfeldern steigt.

Konvergenz von Mensch und Maschine

Die steigende Digitalisierung und Virtualisierung von Geschäftsprozessen verstärken den Trend. Doch entgegen dem Drohbild einer von künstlicher Intelligenz bestimmten Arbeitswelt werden Computer, Software und Algorithmen menschliche Mitarbeiter nicht überflüssig machen. Weil Wissen, Talent und Kreativität die zentralen Erfolgsfaktoren sind, kommt es künftig auf ein kluges Zusammenspiel von Menschen und Maschinen an.

Immer häufiger sind es Start-ups, die große Konzerne und ganze Branchen mit ihren digitalen Geschäftsmodellen unter Innovationsdruck setzen. Die Protagonisten der Sharing Economy wie Airbnb oder Uber zeigen, wie durch das Teilen und Tauschen von Ressourcen – die man nicht einmal selbst besitzen muss – wachstumsstarke Unternehmen und neue Wertschöpfungsketten entstehen.

Netzwerk- und Plattformökonomie

Zugleich wird daran deutlich, wohin sich die Wirtschaft im 21. Jahrhundert entwickelt. Unternehmen dürfen sich nicht länger als geschlossene, hierarchische Systeme begreifen, sondern als offene Netzwerke und Plattformen, die durch Kooperation und Kollaboration extrem agil, kunden- und bedarfsorientiert handeln und neue vielfältige Business-Ökosysteme erschaffen. Netzwerke erfordern jedoch höhere Selbstverantwortungs- und Autonomiegrade der Mitarbeiter, die entsprechend der individuellen Bedürfnisse durch Prozess- und Erfahrungswissen definiert sind.

Indem klassische Strukturen aufbrechen, entwickeln Organisation sich zu dynamischen Gebilden, die ihre Form und Größe je nach Aufgabe und Marktlage verändern. Folglich lässt sich etwa die Frage, wer zur Belegschaft gehört, oft nicht mehr klar beantworten. Zu vielschichtig sind die Arten, in denen Leistungen erbracht werden: Kernbelegschaft, ausgegliederte Unternehmensteile, über Personaldienstleister beschäftigte Mitarbeiter, Agenturen und Berater, die tief in Geschäftsprozesse involviert sind. Immer öfter stellen Firmen ganze Arbeitspakete, die hohe Qualifikationen erfordern, auf Internetplattformen, um sie von Freelancern erledigen zu lassen. Sogar die Konkurrenz wird im Sinne der „Coopetition“ mitunter zum Partner: Weil Kooperation und Kollaboration in der Netzwerkökonomie zu Erfolgsfaktoren werden, suchen Unternehmen nach strategischen Allianzen – auch mit Wettbewerbern. Selbst die lange Zeit streng geschützten F&E-Abteilungen werden heute über Open-Innovation- und Open-Science-Strategien gezielt geöffnet. Der „Prosument“ – der Konsument, der zugleich Produzent ist – bestimmt das Marktgeschehen, etwa indem Kunden über Crowdsourcing, Crowdinvesting oder Social Media in Produktentwicklung und Marketing einbezogen werden.

Work-Life-Blending

Dank digitaler Vernetzung, Cloud-Lösungen und innovativer Workplace-Tools wird die Arbeit immer zeit- und ortsunabhängiger. Ob unterwegs, von zu Hause, beim Kunden, im Café oder am Strand – mobiles Arbeiten wird zur neuen Norm. Durch Home-Office-Modelle und Mobile-Work-Technologien löst sich die einstige Grenze zwischen Berufs- und Privatleben zunehmend auf, mit vielen Auswirkungen von den Arbeitszeiten bis hin zur IT-Sicherheit. So sehr flexibles Arbeiten von Angestellten gewünscht wird, so sehr müssen neue Wege für ein funktionierendes Work-Life-Blending gefunden werden. Die kluge Vereinbarkeit von privaten und geschäftlichen Anforderungen wird zur großen Herausforderung der kommenden Jahre – für Arbeitgeber wie für Arbeitnehmer.

Rechtssicherheit

Die Entgrenzung von Arbeit in zeitlicher und räumlicher Hinsicht, die durch die Überwindung von Zeit und Raum bedingte Entbetrieblichung, Innovationsdruck, Netzwerk- und Plattformökonomie und dergleichen mehr dürfen aber nicht Selbstzweck sein. Unter arbeitsrechtlichen Aspekten müssen sie gut überlegt und sorgfältig umgesetzt werden, um Rechtssicherheit im Unternehmen zu wahren. Daran arbeiten wir bei SKW Schwarz – theoretisch und praktisch, beratend und forensisch.

Die Implementierung der „Arbeit 4.0“ erfordert gewissenhafte arbeitsrechtliche Planung. Das betrifft sowohl individualvertragliche als auch kollektivrechtliche Maßnahmen und Gegebenheiten. Das Datenschutzrecht setzt dem Einsatz autonomer Rechner jedenfalls klare Grenzen, indem Personalentscheidungen nicht ausschließlich auf eine automatisierte Verarbeitung personenbezogener Daten gestützt werden dürfen. Es bleibt im positiven Sinne die menschenzentrierte Komplementarität: Der „Faktor Mensch“ bleibt die gestaltende Autorität im Unternehmen – auch in Zukunft.