I. Etablierte Förderung erneuerbarer Energien

Die etablierte Förderung erneuerbarer Energien zeichnet sich seit Inkrafttreten des ersten EEG durch die Zahlung bestimmter Beträge in ct/kWh über einen Förderzeitraum von 20 Jahren aus. Wenngleich sich die gesetzlichen Bezeichnungen für die konkrete Förderung (Einspeisevergütung, finanzielle Förderung, Marktprämie, anlegbarer Wert) über den Lauf der Jahre geändert haben, so ist das dahinterstehende Förderkonzept stetig gleichgeblieben.

Derzeit werden jedoch die Stimmen lauter, die nach einem Ende der staatlichen Förderung erneuerbarer Energien rufen und verlangen, dass sich die Erneuerbaren stärker dem Markt stellen müssen. Als Ziel wird dabei ausgegeben, dass sich die Erneuerbaren vollständig ohne staatliche Förderung am Markt etablieren müssen und die Rentabilität einer derartigen Anlage daher dem freien Spiel von Angebot und Nachfrage unterworfen werden soll. In diese Richtung hat sich im April 2018 auch der derzeitigen Wirtschaftsminister Peter Altmaier geäußert und anklingen lassen, dass Ökostromproduzenten schon in wenigen Jahren ohne staatliche Subvention auskommen müssten.

„Ich gehe davon aus, dass die erneuerbaren Energien in absehbarer Zeit, das heißt in den nächsten vier bis fünf Jahren, ihre Wettbewerbsfähigkeit vollständig erreicht haben, und dass wir dann imstande sein werden, erneuerbare Energien ohne zusätzliche Subventionen zu finanzieren.“

Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie

Auch der Markt selbst entwickelt Modelle für die Projektierung von erneuerbaren Energien Anlagen ohne Förderung – im europäischen und außereuropäischen Ausland und auch in Ansätzen in Deutschland gibt es bereits solche Projekte.

Von einer derartigen Entwicklung sind dabei allerdings nicht nur Anlagen betroffen, die in den nächsten Jahren in Betrieb genommen werden, sondern es stellt sich gleichermaßen die Frage, wie Anlagen nach dem Ende der gesetzlichen Vergütungsdauer noch entsprechende Erträge erzielen können.

II. Corporate PPAs als zukünftiges Finanzierungsinstrument für erneuerbare Energien

Insbesondere in den USA haben sich im Zusammenhang mit der Finanzierung erneuerbarer Energien bereits seit Jahren sogenannte Corporate PPAs (Power Purchase Agreements) durchgesetzt, weil dort – im Unterschied zu Deutschland – regenerative Energien durch Steuerreduktionen (sog. Production Tax Credits) gefördert wurden. Corporate PPAs haben in den USA zuletzt ein rasantes Wachstum verzeichnet. Unter einem PPA versteht man im Grundsatz einen langfristigen Stromliefervertrag, der zwischen einem Stromerzeuger und einem Unternehmen abgeschlossen wird. Bei den Unternehmen handelt es sich in der Regel um Letztverbraucher, aber auch Händler oder Energieversorgungsunternehmen kämen grundsätzlich als Vertragspartner eines PPA in Betracht. Wenngleich hierbei unterschiedliche Spielarten bestehen (dazu sogleich im Einzelnen), so bietet ein PPA für den Stromverbraucher den Vorteil einer langfristigen Preissicherheit und dem Stromerzeuger werden im Gegenzug langfristige Erträge für seinen Strom zugesichert.

Selbstverständlich stünde dem Erzeuger alternativ auch jederzeit die Möglichkeit offen, seinen erzeugten Strom zu Marktpreisen über die Börse abzusetzen, falls erneuerbare Energien zukünftig keinerlei Förderung mehr erhalten sollten. Allerdings wäre der Erzeuger dann auch den Kräften von Angebot und Nachfrage mit entsprechend volatilen Preisen ausgesetzt. Demgegenüber würde ein Corporate PPA sowohl den Stromabsatz als auch den dadurch zu erzielenden Preis verstetigen.

1 Aus welchen Gründen schließen Unternehmen Corporate PPAs mit Erzeugern ab?

Aus Sicht der Unternehmen sind zwei Gründe für den Abschluss von Corporate PPAs maßgeblich. Zunächst sind ökonomische Überlegungen entscheidend, denn die Unternehmen streben nach einer größtmöglichen Preisstabilität und wollen sich somit nicht den unter Umständen stark volatilen Beschaffungskosten auf den Strommärkten aussetzen.

Neben dieser ökonomischen Komponente sind sogenannte „grüne“ Faktoren von Bedeutung, denn eine Vielzahl von Unternehmen ist zunehmend bestrebt, ihre CO2 -Emissionen zu verringern oder diese vollständig durch den Bezug von Ökostrom zu vermeiden. Gerade dieser zweite Aspekt ist zuletzt z. B. bei mehreren großen Softwarekonzernen zu beobachten, die ihrem Unternehmen durch den Abschluss von Corporate PPAs – zum Teil über ihren gesamten Strombedarf – ein nachhaltiges Image verleihen und sich somit gegenüber ihren Kunden als sogenannte „first mover“ positionieren wollen.

2 Welche Varianten von Corporate PPAs gibt es?

Typischerweise lassen sich grundsätzlich zwei Varianten von Corporate PPAs unterscheiden. Im Falle eines physischen PPA wird eine vertraglich definierte Strommenge über einen vertraglich definierten Zeitraum (z. B. zehn bis zwanzig Jahre) aus einer Anlage, die zu diesem Zweck gebaut wird, direkt vom Erzeuger an den Verbraucher geliefert. Dies kann über eine Direktleitung geschehen oder über das allgemeine Stromnetz, was wiederum Auswirkungen auf die zu zahlenden Netzentgelte hat. Physische PPA weisen darüber noch zwei Unterspielarten auf, denn der Erzeuger kann die Rolle eines klassischen Versorgers mit allen damit einhergehenden Full-ServiceVerpflichtungen übernehmen (direktes PPA) oder sich der Hilfe eines etablierten Versorgers bedienen (sleeved PPA), der wiederum Aufgaben wie die Bereitstellung von Ausgleichsenergie oder die Lastprognose übernimmt.

Neben den physischen PPA haben sich die sogenannten virtuellen bzw. synthetischen PPA etabliert. Hierbei handelt es sich um ein Finanzprodukt, das nicht die physische Lieferung von Energie beinhaltet und aufgrund einer höheren Flexibilität (z. B. der Möglichkeit zur Belieferung mehrerer Standorte) weltweit die stärkere Verbreitung gefunden hat. Im Rahmen eines virtuellen bzw. synthetischen PPA einigen sich die Parteien auf einen Festpreis („Strike Price“), allerdings wird der Strom vom Erzeuger am Spotmarkt verkauft und der Verbraucher kauft Strom wiederum am Spotmarkt ein. Liegt der Spotmarktpreis dabei über dem vereinbarten Festpreis, vergütet der Erzeuger die Differenz an den Verbraucher. Liegt hingegen der Spotmarktpreis unter dem vereinbarten Festpreis, zahlt der Verbraucher die Differenz an den Produzenten.

Bei einer derartigen Ausgestaltung handelt es sich mithin um einen klassischen Contract for Differences (CfD). Mit Blick auf die Preisgestaltung sind dabei eine Vielzahl von Gestaltungsvarianten in Abhängigkeit von den Wünschen der Parteien denkbar. Neben Festpreisen kommen Mindestpreise, Take-or-Pay-Verpflichtungen, Indexierungen, Price-floors sowie Price-caps in Betracht, so dass die kaufmännischen Interessen beider Seiten widergespiegelt werden können.

Zudem kann gleichzeitig eine Absicherung am Terminmarkt erfolgen. Theoretisch lassen sich PPAs an der Börse mit Futures bis zu höchstens sechs Jahren absichern, wobei in der Praxis aufgrund eingeschränkter Liquidität für derartige Produkte häufig nur eine Absicherung von ca. drei Jahren möglich ist. Für darüber hinausgehende Zeiträume kann eine Bewertung anhand von Strompreisszenarien vorgenommen werden, was allerdings ausreichende Ressourcen und entsprechende Fachleute im Unternehmen oder die Zuhilfenahme externen Sachverstands voraussetzt. Vorstellbar wäre beispielsweise ein Szenario, in dem sich die Parteien bei einer Vertragslaufzeit von zehn bis zwanzig Jahren darauf einigen, dass der Erzeuger zunächst einen über dem aktuellen Marktniveau liegenden Preis erhält, der spätere Strompreis dann aber unter dem zu erwartenden Marktniveau liegt. 

3 Welche rechtlichen Herausforderungen stellen sich bei Corporate PPAs?

Der Abschluss eines Corporate PPAs stellt im Vergleich zu einem klassischen Stromliefervertrag ein komplexeres Vertragswerk dar, da insbesondere entsprechende Klauseln aufgenommen werden müssen, um auf gesetzgeberische bzw. regulatorische Eingriffe reagieren zu können bzw. den Vertragsparteien entsprechende Anpassungsmöglichkeiten zu eröffnen. Allerdings war die Energiebranche auch im Bereich der konventionellen Erzeugung durchaus durch langfristige Vertragsverhältnisse geprägt, so dass sich entsprechende Vorerfahrungen aus diesem Bereich auch im Zusammenhang mit Corporate PPAs bei erneuerbaren Energien nutzbar machen lassen. 

Im Übrigen bedarf der Preismechanismus besonderer Aufmerksamkeit, weil sich hier unter Rückgriff auf die obigen Ausführungen unter 2. eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten bieten, um die kommerziellen Interessen der Parteien abzubilden. In rechtlicher Hinsicht ist dabei für dem deutschen Recht unterworfene Verträge darauf hinzuweisen, dass eine volle Gestaltungsfreiheit besteht, wenn die maßgeblichen Klauseln im Einzelnen ausgehandelt wurden und somit keinen AGB-rechtlichen Beschränkungen unterliegen. Da es sich bei dem Preismechanismus in der Regel um eine der Kernregelungen des Vertragswerks handelt, dürfte diese Hürde jedoch regelmäßig überwindbar sein.

4 Welcher Zeitrahmen ist für den Abschluss eines Corporate PPA realistisch?

Geht man davon aus, dass der Erzeuger bereits während der Projektentwicklungsphase einen Abnehmer gefunden und dieser bereits eine entsprechende Projektdefinition vorgenommen und somit das Anforderungsprofil an das Corporate PPA klar definiert hat, dürfte ab der Unterzeichnung des Letter of Intent für die Themen Finanzierung, Vertragsverhandlung, Planung und Genehmigungseinholung ein Zeitraum von ca. drei bis sechs Monaten erforderlich sein. Im Falle eines physischen PPAs ist für den eigentlichen Bau der Anlage sowie deren Netzanschluss sicherlich nochmals ein Zeitraum von weiteren drei bis sechs Monaten zugrunde zu legen. Nach der Inbetriebnahme der Anlage schließt sich dann der eigentliche Nutzungszeitraum an, der sich typischerweise auf einen Zeitraum zwischen zehn bis zwanzig Jahre beläuft. Insoweit obliegt es den Verhandlungen zwischen Erzeuger und Verbraucher, auf welche Vertragslaufzeit sie sich für ein Corporate PPA einigen.

5 Was sind zusammengefasst die Vor- und Nachteile von Corporate PPAs für Erzeuger und Verbraucher?

Die einzelnen Vor- und Nachteile von Corporate PPAs lassen sich für die beiden Vertragsparteien stark zusammengefasst wie folgt schildern: