Überprüfen Sie Ihre Versorgungssituation auf Einsparmöglichkeiten

Die Netzentgelte machen inzwischen einen erheblichen Teil der Stromrechnung aus. Dieser Kostenanteil wird ab 2018 insbesondere in Westdeutschland nochmals erheblich steigen, weil die Integration erneuerbarer Energien in das deutsche Stromnetz sowohl auf Ebene der Übertragungsnetzbetreiber als auch auf Ebene der Verteilernetzbetreiber weiterhin einen erheblichen Ausbaubedarf erforderlich macht. Die von den Netzbetreibern aufgrund ihrer gesetzlich zugewiesenen Systemverantwortung zu leistenden Investitionen führen somit zu höheren Netzentgelten.

Darüber hinaus wirkt auch das sogenannte Engpassmanagement stark kostensteigernd, da die Netzbetreiber zur Aufrechterhaltung eines sicheren Netzbetriebs eine Vielzahl unterschiedlicher Maßnahmen einsetzen müssen, um Leitungsüberlastungen durch Netzengpässe zu vermeiden oder zu beheben. Zwei Maßnahmen des Engpassmanagements sind dabei besonders kostentreibend. Erstens fallen für die Netzbetreiber durch die Netzreserve und den sogenannten „Redispatch“ erhebliche Kosten für das schnelle Anfahren oder Abschalten von Großkraftwerken an. Zweitens müssen die Netzbetreiber im Rahmen des Einspeisemanagements (abgekürzt „Eisman“ oder „Einsman“) aufgrund eines nicht schritthaltenden Netzausbaus bei einer Überlastung des Verteiler- oder Übertragungsnetzes auch die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien abregeln und den davon betroffenen Anlagenbetreibern eine Entschädigung zahlen, die wiederum bei der Ermittlung der Netzentgelte in Ansatz gebracht wird.

Wenngleich die von den Netzbetreibern angesetzten Kosten einer Überprüfung durch die Bundesnetzagentur unterliegen, sollten insbesondere stromintensive Unternehmen ihre Versorgungssituation auf etwaige Einsparmöglichkeiten hin untersuchen lassen. Netzentgelte lassen sich beispielsweise durch einen Wechsel in eine höhere Netzebene verringern, weil der Anschlussanspruch des Netzkunden auch das Bestimmungsrecht über die Wahl der Netzebene umfasst. Hierbei gilt abstrakt die Regel, dass die Netzentgelte umso niedriger werden, je höher die Netzebene wird.

Daneben können Netzkunden in Abhängigkeit von ihrer spezifischen Versorgungssituation auch individuelle Netzentgelte nach § 19 Abs. 2 StromNEV oder die Möglichkeit singulär genutzter Betriebsmittel nach § 19 Abs. 3 StromNEV in Anspruch nehmen. Eine weitere Einsparmöglichkeit besteht durch das sogenannte „Pooling“ gemäß § 17 Abs. 2a StromNEV (d.h. die Bündelung mehrerer Entnahmestellen zu einer Entnahmestelle zum Zwecke der Ermittlung des Jahresleistungsentgelts).

Da der Gesetzgeber mittels des sogenannten Netzentgeltmodernisierungsgesetzes (NEMoG) von Ende Juli 2017 zudem die Möglichkeit zur schrittweisen Einführung bundesweit einheitlicher Übertragungsnetzentgelte geschaffen hat, ist davon auszugehen, dass insbesondere in Westdeutschland aufgrund der Vereinheitlichung der Netzentgelte eine nochmalige Erhöhung der Netzentgelte eintreten wird. Nach derzeitiger Planung soll die Höhe der Übertragungsnetzentgelte dabei ab 2019 teilweise und ab 2023 vollständig bundesweit einheitlich festgelegt werden. Der Gesetzgeber möchte mittels dieser Regelung eine bundesweit möglichst einheitliche Kostenbelastung aller Netzkunden sicherstellen, da ostdeutsche Netzkunden aufgrund hoher Kosten und einer niedrigeren Bevölkerungsdichte derzeit einen überproportional hohen Kostenanteil tragen.

Einsparmöglichkeiten bestehen jedoch nicht nur im Netzentgeltbereich, sondern auch mit Blick auf die Vielzahl gesetzlicher Steuern, Umlagen und Abgaben. Da diese gesetzlich veranlassten Kostenfaktoren ebenfalls einen erheblichen Anteil am Strompreis ausmachen, können hier oftmals signifikante Einsparungen mit Blick auf eine dadurch bedingte kostengünstigere Versorgungssituation erzielt werden.