Das Aufkommen und die Verbreitung von digitalen Zahlungsmitteln in der Form von Kryptowährungen – wie beispielsweise Bitcoin und zahlreiche Emissionen von Coins/Token im Rahmen von ICOs (Initial Coin Offering), ITOs (Initial Token Offering) oder auch TGEs (Token Generating Event) – haben in jüngster Vergangenheit diverse Fragen zur steuerlichen Behandlung dieser Vermögenswerte aufgeworfen.

Das vorliegende Arbeitspapier legt die bisher von der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) auf der Grundlage der bestehenden steuerrechtlichen Bestimmungen entwickelte Praxis dar. Diese Steuerpraxis ist eine Momentaufnahme und basiert grundsätzlich auf den der ESTV bis Ende Mai 2019 unterbreiteten Sachverhalten und Transaktionen. Es ist davon auszugehen, dass zum heutigen Zeitpunkt noch nicht alle steuerrechtlichen Fragen gestellt und abschliessend beantwortet sind (z.B. die unentgeltliche Übertragung von Eigenkapital- und Partizipations-Token [vgl. Ziffern 3.3. und 3.4 hiernach] an angestellte Arbeitnehmende). Die Praxisfestlegungen der ESTV und der kantonalen Steuerbehörden werden sich deshalb weiterentwickeln und neuen Konstellationen im Bereich der ICOs/ITOs Rechnung tragen müssen. Falls erforderlich erfolgt auch eine entsprechende Mitteilung der ESTV. Die in diesem Arbeitspapier verwendete Kategorisierung der Coins/Token orientiert sich an der Wegleitung der FINMA für Unterstellungsfragen betreffend Initial Coin Offerings (ICO) vom 16. Februar 2018.

Die Ausführungen im vorliegenden Arbeitspapier gliedern sich in zwei Teile.

  • In einem ersten Teil wird die steuerliche Behandlung der Kryptowährungen in der Form von reinen digitalen Zahlungsmitteln (nachfolgend Native-Token/Payment Token) dargelegt, die von Investoren im Privatvermögen gehalten werden.
  • Der zweite Teil befasst sich einerseits mit den Steuerfolgen der im Rahmen von ICOs/ITOs ausgegebenen Coins/Token mit geldwerten Rechten gegenüber einer Gegenpartei (nachfolgend Asset-backed-Token) und anderseits mit der Ausgabe von Utility-Token. Der zweite Teil beleuchtet sowohl die Ebene des Investors (Privatvermögen oder ggf. unselbständig Erwerbstätigkeit) als auch diejenige des Emittenten.

Auf Wunsch von kantonalen Steuerverwaltungen äussert sich das vorliegende Arbeitspapier auch zu Belangen der ausschliesslich kantonalen Vermögenssteuer.

Die steuerliche Gewinnermittlung richtet sich nach der handelsrechtskonformen Erfolgsrechnung (vgl. Art. 58 Abs. 1 Bst. a des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer; DBG; SR 642.11), sofern keine steuerrechtlichen Korrekturvorschriften vom handelsrechtlichen Gewinnausweis zu beachten sind (sog. Massgeblichkeitsprinzip). Handelsrechtlich nicht verbuchte Aufwendungen können steuerrechtlich nicht geltend gemacht werden.

Das Arbeitspapier kann hier heruntergeladen werden.