Der Autor befasst sich mit der Regulierung von Nicht-Prüfungsleistungen bei Unternehmen des öffentlichen Interesses im Rahmen der EU-Abschlussprüferreform. Danach sei ab Mitte 2016 die Vergabe von Nicht-Prüfungsleistungen an den Abschlussprüfer durch eine unmittelbar geltende Verbotsliste reglementiert. Die genaue Ausgestaltung der Verbotsliste werde entscheidend von der nationalen Umsetzung abhängen, da einzelne Mitgliedstaaten u.a. weitere Dienstleistungen verbieten oder bestimmte Ausnahmen von der Verbotsliste vornehmen könnten. Im Kontext der deutschen Umsetzung werde nach gegenwärtigem Kenntnisstand insbesondere mit der Herausnahme von Steuerberatungs- und Bewertungsleistungen zu rechnen sein.

Zulässige Dienstleistungen seien zukünftig generell vom Prüfungsausschuss des geprüften Unternehmens zu billigen.  Da viele Prüfungsausschüsse bzw. Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen in Deutschland bereits heute sehr bewusst mit der Vergabe von Nicht-Prüfungsleistungen umgingen, könne erwartet werden, dass dieses Erfordernis keine besondere Neuerung darstelle.

Zusätzlich unterlägen Nicht-Prüfungsleistungen einer Begrenzung auf 70% der Abschlussprüfungshonorare. Diese Regelung sei neu und bedeute eine weitere Verkomplizierung der Vergabe von Nicht-Prüfungsleistungen an den Abschlussprüfer. Die Begrenzung sei aber - gemessen an der bisherigen Praxis - großzügig ausgestaltet und biete bei gegenwärtig restriktiverer Handhabung durch die Unternehmen gegebenenfalls sogar einen Ansatzpunkt für Überlegungen, den Abschlussprüfer für weitere Nicht-Prüfungsleistungen in Betracht zu ziehen.

Ob sich – gemessen an der gegenwärtigen Regulierung gem. § 319a HGB – praktische Änderungen bei der Vergabe von Nicht-Prüfungsleistungen an den Abschlussprüfer ergeben werden, hänge vom Einzelfall ab. Zukünftig seien von den Prüfungsausschüssen der Unternehmen des öffentlichen Interesses das jeweilige Leistungsportfolio des Abschlussprüfers sowie dessen Netzwerk im Hinblick auf die Konformität mit den EU-Vorgaben zu überprüfen. 

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