Standards bestimmen und vereinfachen große Teile unseres Alltags, ohne dass wir es überhaupt bemerken. Zettel passen in Briefumschläge, der Stecker in die Steckdose und das Handyladekabel an jeden Computer. Diese Universalität ist auf einheitliche Standards zurückzuführen, die normieren, also die Beschaffenheit bestimmter Gegenstände, Verfahren oder Dienstleistungen definieren oder Anforderungen an diese stellen. Standards sind meist keine Gesetze im engeren Sinne oder Vorschriften, sondern in Worten und Zahlen festgehaltener Konsens, der durch die weitreichende Umsetzung und Akzeptanz aber eine herausgehobene Stellung genießt. Zwar besteht im Regelfall keine Pflicht, Standards umzusetzen oder sich an diese zu halten, doch wäre eine neu entwickelte App, die weder mit Android, iOS noch Windows Phone kompatibel ist, ad absurdum geführt.

Standards benötigen weitreichende Akzeptanz

Um sich durchsetzen zu können, müssen Standards allgemein Anerkennung finden und dem tatsächlichen Stand von Wissenschaft und Technik entsprechen. Andernfalls würde die Entwicklung und Innovation durch rückschrittliche Technik und Verfahren gehemmt oder die Standards verlören an Wert. Entsprechend werden Standards von Vereinigungen wie z.B. dem Deutschen Institut für Normung e.V. (DIN e.V.), der ISO, der ETSI oder der ICU in enger Zusammenarbeit mit Forschung, Industrie, Kunden und Regierungen entwickelt.

Weiterhin können sich Standards auch von selbst z.B. durch ein bestimmtes Qualitätsniveau etablieren, weil ab dem Zeitpunkt Produkte oder Dienstleistungen mit wesentlich geringerer Qualität am Markt nicht mehr bestehen können. Außerdem können bestimmte Standards durch Kompatibilitätserfordernisse bezüglich anderer standardisierter Produkte erzwungen werden.

Auch wenn es auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen mag, fördern und bedingen Standards Innovation. Sie dienen als einheitlicher Ausgangspunkt für die Forschung und Entwicklung, da sie idealtypisch dem aktuellen Stand der Wissenschaft und Technik entsprechen. Basiswissen wird so für die Entwicklung und alle Marktteilnehmer zugänglich gemacht. Durch die Beteiligung verschiedenster Akteure wie Produzenten, Kunden und Forschung an der Standardisierung setzt sich die für alle vorteilhafteste und der gesellschaftlichen Entwicklung entsprechende Technologie durch.

Der DIN e.V. schätzt den wirtschaftlichen Nutzen der Standardisierung allein in Deutschland auf rund 17 Milliarden Euro jährlich. So verwundert es nicht, dass viele Industrie- und Wirtschaftsbereiche heutzutage schon hoch standardisiert sind, insbesondere auch oft unterstützt durch zwingende Vorschriften und Anforderungen zu Themen wie Sicherheit und Qualität.

Standards gewinnen immer größere Bedeutung

Branchenübergeordnet nehmen Kommunikationstechnologie und Vernetzung eine essenzielle Rolle ein, sodass neben den zum Teil sehr konkreten Standards für bestimmte Industriezweige, Produkte oder Branchen universelle Standards aufgrund von Globalisierung und Digitalisierung immer größere Bedeutung gewinnen. Für die Verbesserung der Kommunikation sind besonders im Hinblick auf das Internet of Things Standards für Schnittstellen von herausragender Bedeutung, wie z.B. UMTS, LTE oder WLAN für die Datenübertragung. Im zweiten Schritt müssen aber auch Standards für das Management von vernetzten Objekten in Form von IoT-Plattformen gefunden werden. Solche IoT-Plattformen sind das Bindeglied zwischen vernetzten Objekten, Back-End-Systemen, Applikationen und Analyse-Tools. Um auch externe Informationen entlang der Wertschöpfungskette einbinden zu können, ist die Integrationsmöglichkeit von Daten aus verschiedenen Quellen sowie die Interoperabilität entscheidend.

Eine auf offenen Standards beruhende IoT-Plattformentwicklung erscheint daher trotz der bis dato von Herstellern zur Kundenbindung vielfach präferierten geschlossenen Systeme in Zukunft immer bedeutsamer zu werden. Die Entwicklung hin zu einheitlicheren Standards als Grundlage für die weitere digitale Transformation und die Nutzung des Internet of Things ist branchenübergreifend zu erwarten und zu begrüßen.