Arbeitszeiterfassungspflicht

Das Arbeitsgesetz verpflichtet den Arbeit- geber, die für den Vollzug des Arbeitsge- setzes und seiner Verordnungen erforder- lichen Informationen den Aufsichts- und Vollzugsbehörden zur Erfüllung ihrer Kon- trollpflicht zur Verfügung zu stellen. Dazu gehören insbesondere Informationen zur geleisteten Arbeitszeit inklusive Aus- gleichs- und Ruhezeit, Überstunden so- wie die Lage und Dauer von Pausen. Aus dieser Pflicht wird allgemein die Pflicht zur Erfassung der Arbeitszeit für sämtli- che dem Arbeitsgesetz unterstellten Arbeitnehmer abgeleitet.

Die Bestimmungen des Arbeitsgesetzes sind (unter anderem) nicht auf Arbeitneh- mer anwendbar, die eine höhere leitende Tätigkeit oder eine wissenschaftliche oder selbständige künstlerische Tätigkeit aus- üben. Eine höhere leitende Tätigkeit liegt gemäss den geltenden Vorschriften und nach der Praxis der Gerichte nur bei Füh- rungspersonen der obersten Stufe (z.B. CEO, Mitglieder der Geschäftsleitung) vor. Für Kadermitarbeiter oder andere Arbeit- nehmer, die über einen grösseren Hand- lungsspielraum  verfügen  oder  Mandats- träger mit Ergebnisverantwortung, die nicht zur obersten Hierarchiestufe gehö- ren, gilt das Arbeitsgesetz. Für diese Kategorie von Arbeitnehmern kann des- halb nicht auf die Arbeitszeiterfassung verzichtet  werden.

Gesetzesrevision   vorerst   gescheitert

Ende 2012 wurde eine Revisionsvorlage für die Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz (ArGV 1) lanciert, die eine Lockerung der Pflicht zur Arbeitszeiterfassung zum Ziel hatte. Diese wurde jedoch wegen der zu weit auseinanderliegenden Positionen der Sozialpartner bezüglich des vorge- schlagenen Modells im Juli 2013 verwor- fen. Zurzeit werden Möglichkeiten für eine Überarbeitung der Vorlage geprüft. Die entsprechenden Arbeiten dürften jedoch nicht vor 2015 abgeschlossen sein. Somit bleibt die bestehende Verord- nung 1 zum Arbeitsgesetz anwendbar, bis eine neue Regelung in Kraft tritt.

Weisung des SECO an die 

Vollzugsbehörden

Um den veränderten Bedürfnissen der Wirtschaft Rechnung zu tragen, hat das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO  im Dezember 2013 mit einer Weisung an die kantonalen Vollzugsbehörden rea- giert. Die Weisung wurde erlassen, weil sich die kantonalen Behörden mit einer Diskrepanz zwischen der formellen Dokumentationspflicht und der Entwick- lung der Arbeitsorganisation in gewissen Tätigkeitsbereichen konfrontiert sehen. Diese Diskrepanz betrifft insbesondere die begrenzte Gruppe von Arbeitnehmen- den, die besondere Verantwortung wahr- nehmen und in der Erfüllung ihrer Aufga- ben und der Verwaltung ihrer Arbeits- zeit sehr autonom sind. Mit dieser Wei- sung fordert das SECO die kantonalen Arbeitsinspektorate auf, ab dem 1. Januar 2014 ihre Praxis der Arbeitszeitkontrol- len in Betrieben, die unter das Arbeitsge- setz fallen, anzupassen.

Vereinfachte Arbeitszeiterfassung für bestimmte Arbeitnehmer Das SECO hält in dieser Weisung fest, dass es nicht für sämtliche Arbeitneh- merkategorien gleichermassen unab- dingbar ist, sämtliche in Art. 73 ArGV 1 aufgeführten   Informationen   minutiös zu erheben, um dem Arbeitnehmerschutz Genüge zu tun. Es definiert drei Katego- rien von Arbeitnehmenden und hält fest, in welchen Fällen eine vereinfachte Dokumentierung der Arbeitszeit aus- reichend ist.

Neu drei Vollzugskategorien Wie erwähnt sind Arbeitnehmer, die der obersten Führungshierarchie von Unternehmen angehören, vom Gel- tungsbereich  des  Arbeitsgesetzes  aus- genommen. Für diese Kategorie von Arbeitnehmern  gilt  daher  wie  bisher überhaupt  keine  Arbeitszeiterfas- sungspflicht.

Neu drei Vollzugskategorien Wie erwähnt sind Arbeitnehmer, die der obersten Führungshierarchie von Unternehmen angehören, vom Gel- tungsbereich  des  Arbeitsgesetzes  aus- genommen. Für diese Kategorie von Arbeitnehmern  gilt  daher  wie  bisher überhaupt  keine  Arbeitszeiterfas- sungspflicht.

Für eine zweite (neu definierte) Kate- gorie von Arbeitnehmern, die über einen erheblichen Entscheidungsspiel- raum verfügen, ihre Tätigkeit weitgehend selbst planen und selbst entscheiden, wann sie arbeiten, kann eine vereinfach- te Arbeitszeiterfassung unter bestimm- ten Voraussetzungen ausreichend sein.

Unter diese Kategorie fallen Kaderleute mit  Führungsaufgaben  gegenüber  unter- stellten Mitarbeitern, vollamtliche Pro- jektleiter, die im Rahmen ihres Arbeits- verhältnisses ausschliesslich Projekte leiten, oder andere Mandatsträger mit Ergebnisverantwortung. Gemeinsames Charakteristikum dieser Arbeitnehmer ist, dass sie Hoheit geniessen in der zeitlichen und organisatorischen Gestal- tung ihrer Tätigkeit und inhaltlich über einen  wesentlichen  Entscheidungsspiel- raum verfügen. Nie unter diese Katego- rie fallen Arbeitnehmer, die regelmässig bewilligte oder von Gesetzes wegen be- willigungsbefreite Nacht- und/oder Sonntagsarbeit leisten. Es ist Sache der Vollzugsbehörden,  anhand  des  Pflichten- heftes und der Schilderung der tatsächli- chen Aufgaben zu entscheiden, ob ein Arbeitnehmer unter diese Kategorie  fällt.

Für diese zweite Kategorie gilt das Arbeitsgesetz. Es ist für Arbeitnehmer dieser Kategorie daher unerlässlich, dass die täglich – und damit auch die wöchentlich – geleistete Arbeitszeit dokument-iert  wird,  um  sicherzustellen, dass die im Arbeitsgesetz im Interesse des Gesundheitsschutzes verankerten Grenzen eingehalten werden.

Schriftliche  Vereinbarung  erforderlich

Arbeitnehmer, die unter diese Kategorie fallen, können mit dem Arbeitgeber eine schriftliche Vereinbarung abschliessen, wonach sie auf eine lückenlose Arbeits- zeiterfassung verzichten. In dieser Vereinbarung muss festgehalten werden, dass das Nacht- und Sonntagsarbeits- verbot einzuhalten ist sowie welches die einzuhaltenden gesetzlichen Ruhezeit- vorschriften sind und wie diese gehand- habt werden. Überdies ist in einem jährlichen, dokumentierten Gespräch festzuhalten, wie die zeitliche Arbeits- belastung war.

Für Arbeitnehmer, die unter diese Kate- gorie fallen und die eine solche Vereinba- rung getroffen und unterzeichnet haben, gilt, dass sie lediglich noch die täglich und wöchentlich geleistete Arbeitszeit erfas- sen und dokumentieren müssen. Diese Dokumentation zusammen mit dem do- kumentierten Jahresgespräch müssen auf Wunsch der Behörde den Arbeitsin- spektoren zur Verfügung gestellt werden.

Unter die dritte Kategorie schliesslich fallen alle übrigen Arbeitnehmer. Für diese gilt wie bisher die umfassende Arbeitszeiterfassungspflicht, wobei das SECO in seiner Weisung ausdrück- lich auf die verschiedenen bewährten Möglichkeiten der Arbeitszeiterfassung hinweist, die nach wie vor zulässig bleiben. Es sind dies neben der Stempel- uhr zum Beispiel manuell geführte Excel-Tabellen, fixe Schichtpläne, Defini- tion  eines  allgemeinen  Arbeitszeitmo- dells und lediglich Erfassung der Abwei- chungen davon, IT-Login als Zeitpunkt des Arbeitsbeginns etc.

Schlussfolgerungen

Für die überwiegende Zahl der Arbeit- nehmer ändert sich mit dieser Weisung nichts. Immerhin trägt das SECO auf der Vollzugsebene den geänderten Bedürfnissen der Betriebe Rechnung, indem Erleichterungen für eine bestimm- te Gruppe von Arbeitnehmern schafft und versucht, die kantonalen Behörden auf eine einheit-liche Kontrollpraxis zu verpflichten. Obwohl Änderungen, ins- besondere aufgrund der Rechtsprechung oder der gesammelten Erfahrung in der Umsetzung, vorbehalten bleiben, stimmt die Stossrichtung. Sowohl für Arbeit- geber wie auch für Arbeitnehmer werden flexible Modelle immer wichtiger. Dass nun immerhin für eine wesentliche, wenn auch zahlenmässig nicht allzu grosse Gruppe von Arbeitnehmern der Vollzug des Arbeitsgesetzes erleichtert wird, ist zu begrüssen. Auf Seiten der Arbeit- geber ist jedoch die Umsetzung dieser neuen Kategorie mit einer erheblichen Dokumentations- und Kontrollpflicht verbunden.