Eigentlich sollte der Smart Meter roll-out im Q1 2018 beginnen. Ob der roll-out noch 2018 kommt, bleibt nach Aussage des BSI unklar. Usrächlich ist die stockende Zertifizierung durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI). Geplante Investitionen der Stadtwerke und Versorger müssen daher verschoben werden.

Mit Smart Metern sind sogenannte intelligente Stromzähler gemeint, d.​h.​solche,die nicht nur den aktuellen Verbrauch konkret bestimmen, sondern den Verbrauch auch in Echtzeit an den Betreiber des Smart Meters übermitteln können. Ziel ist zudem, mittels der Smart Meter vernetzte Haushaltsgeräte zu steuern. Dadurch sollen diese Geräte in Niedrigpreiszeiten eingeschaltet werden, um die Energiekosten zu senken. Langfristig sollen die Smart Meter zum Aufbau eines Smart Grid – eines digital vernetzten Stromnetzes – beitragen. Dabei bleibt unklar, ob sich die Einbaukosten für Smart Meter langfristig rentieren.

Kernelement der Smart Meter und Grund der Verzögerung ist das sogenannte Smart Meter Gateway. Mit seinem integriertem Sicherheitsmodul ist das Smart Meter Gateway die zentrale Komponente, die die Messdaten sammelt, speichert sowie diese für Marktakteure aufbereitet, kommuniziert und ggf. auch die Haushaltsgeräte steuert.

Der roll-out von Smart Metern soll gestaffelt und zunächst nur für Strom-Großverbraucher (ab 10.000 kWh/Jahr) und Energieerzeuger (zwischen 7 kW und 100 kW installierter Leistung) beginnen. Bedingung dafür ist, dass mindestens drei Smart Meter verschiedener Hersteller durch das BSI zertifiziert sind, §§ 29 und 30 Messstellenbetriebsgesetz (MsbG). Damit sollte insbesondere eine Monopolbildung vermieden werden. Von den derzeit neun in Zertifizierung befindlichen Produkten konnte jedoch bisher noch keines eine entsprechende Zertifizierung erhalten.

Der Gesetzgeber und das BSI legen – zu Recht – besonderen Wert auf den Datenschutz (privacy-by-design) und die IT-Sicherheit. Denn ein erfolgreicher Cyber-Angriff auf die Smart Meter Gateways hätte potentiell große Auswirkungen auf die Energieversorgung, die Wirtschaft und die Verbraucher. Dass diese Sicherheitsbedenken durchaus begründet sein können und eine sorgfältige Sicherheitsprüfung vorab sinnvoll ist, zeigt ein Blick in die tägliche Presse und die jüngsten Entwicklungen rund um das elektronische Anwaltspostfach (“BeA-Gate”). Dabei berücksichtigt das BSI nach eigenen Angaben auch neuesten Erkenntnisse in Bezug auf die Angriffe “Meltdown” und “Spectre” [mehr zu diesem Thema hier]. Eine Berücksichtigung tagesaktueller Fälle, werfe den Prozess jedoch immer wieder zurück. Vor diesem Hintergrund ist es mehr als verständlich, dass das BSI besonders gründlich und gewissenhaft prüft. Und diese Prüfung braucht ihre Zeit.