Trotz des „Brexit“-Referendums in Großbritannien bietet der Londoner AIM-Markt deutschen Unternehmen die Gelegenheit Kapitalzuwachs durch eine große Auswahl an Investoren zu generieren, welche die Bedürfnisse von kleinen und mittelgroßen Unternehmen verstehen. Der 1995 gegründete AIM-Markt ist vermutlich der weltweit führende Kapitalzuwachsmarkt und dank einer beträchtlichen Anzahl von ausländischen Mitgliedern würden sich deutsche Unternehmen dort sicher wie zu Hause fühlen.

Vor- und Nachteile einer Börsenzulassung auf dem AIM

Zu den Vorteilen einer AIM-Zulassung gehören:

  • Die Möglichkeit Kapital zu erwirtschaften und das Unternehmen weiterzuentwickeln oder mehr Betriebskapital anhäufen zu können.
  • Gründer können normalerweise zumindest einen Teil ihrer Aktien verkaufen.
  • Notierte Aktien werden zu einer „Währung“ für die Akquisition.
  • Optionen auf notierte Aktien können Angestellte motivieren.
  • Die Börsenzulassung kann das Ansehen verbessern.

Für Unternehmer besteht der Hauptnachteil darin, dass sie teilweise die Kontrolle über das Unternehmen verlieren. Der Aktienkurs kann von Ereignissen außerhalb der Kontrolle des Managements beeinflusst werden und das Unternehmen ist mehr Überprüfungen ausgesetzt – unter anderem durch Investoren, und Aufsichtsratsmitglieder – als wenn es in privaten Händen bleibt.

Das Unternehmen wird genau abwägen müssen, wo seine Interessen liegen.

Der AIM-Zulassungsprozess

Der Prozess ist relativ einfach und bewährt:

  1. Ernennen Sie ein erfahrenes Beratungsteam.
  2. Führen Sie eine sogenannte „due diligence“ durch, einschließlich der Prüfung der Betriebskapitalbedürfnisse der Firma.
  3. Bereiten Sie ein „AIM-Zulassungsdokument“ vor, welches das Unternehmen, seinen Geschäftsbereich, das Management und die Zukunftspläne beschreibt, und stellen Sie alle anderen benötigten Dokumente zusammen. Stellen Sie dabei sicher, dass alle Aussagen, Fakten und Meinungen korrekt sind.
  4. Vereinbaren Sie mit dem Börsenmakler den Wert des Unternehmens und wie viel Kapital erwirtschaftet werden soll.
  5. Führen Sie „Roadshow“-Meetings mit potenziellen Investoren durch, um die benötigte Finanzierung zu sichern.
  6. Das „Impact“-Meeting findet statt, wenn alle Dokumente abgesegnet wurden. Der Abschluss findet ungefähr eine Woche später statt, wenn das beschaffte Kapital an die Firma ausgezahlt wird.

Normalerweise dauert der ganze Prozess je nach Komplexität und Größe des Unternehmens und Verfügbarkeit aller nötigen Informationen drei bis sechs Monate.

Konsequenzen für deutsche Unternehmen

Da über die Jahre schon viele Überseefirmen am AIM zugelassen worden sind, können deutsche Unternehmen von einem bewährten Ablauf profitieren.

Der Prozess wird für deutsche Unternehmen größtenteils identisch mit dem der anderen Unternehmen sein.

Die Aktien von deutschen Unternehmen können allerdings nicht direkt in Großbritanniens elektronischem Aktienhandels-System CREST gehandelt werden. Deshalb müssen deutsche Unternehmen mit einer Depositenbank wie Computershare zusammenarbeiten, um Instrumente zu erstellen, die Aktien repräsentieren und im CREST-System gehandelt werden können. Viele Überseefirmen haben solche „Depositaranteile“, welche einfach arrangiert werden können.

Der Jahresabschluss des Unternehmens – und möglicherweise weitere Dokumente – müssen auf Englisch übersetzt werden, falls sie noch nicht auf Englisch vorliegen.

Gewisse rechtliche Unterlagen müssen von einem deutschen Anwalt angefordert werden und bestimmte Angaben im „AIM-Zulassungsdokument“ müssten angepasst werden, um den rechtlichen Ansprüchen Deutschlands zu entsprechen. Obwohl solche Angelegenheit als Teil einer AIM-Zulassung von einer Überseefirma beachtet werden müssen, sollten sie den Prozess nicht erschweren.