Die Befristung der Vertragsverhältnisse der Schauspieler Pierre Sanoussi-Bliss als Kommissar Axel Richter und Markus Böttcher als Werner Riedmann in der ZDF-Krimiserie Der Alte war rechtmäßig. Das hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt in letzter Instanz entschieden und damit der Produktionsfirma Recht gegeben (Az. 7 AZR 864/15, 7 AZR 440/16). Das Engagement der Schauspieler in der Krimiserie “Der Alte” endete 2014 und hat nicht – wie die Schauspieler vor Gericht argumentierten – bis heute fortbestanden. Die Schauspieler und die Produzentin der Serie stritten hierüber bereits seit gut drei Jahren. Die Vorinstanz, das Landesarbeitsgericht (LAG) München, hatte der Produzentin Recht gegeben. Diese Entscheidung hat das BAG bestätigt.

Der Fall

Herr Sanoussi-Bliss spielte die Rolle des Kommissars Axel Richter fast 18 Jahre, Herr Markus Böttcher die Rolle des Spurensicherers sogar 29 Jahre. Die Beklagte – die Produzentin der Serie – und die beiden Kläger – die Schauspieler – schlossen formal keine befristeten Arbeitsverträge, sondern befristete Mitarbeiterverträge bzw. Schauspielerverträge ab. Diese Verträge bezogen sich auf einzelne Folgen oder auf die Folgen eines Kalenderjahres und sahen im Fall von Herrn Sanoussi-Bliss eine Pauschalvergütung zwischen 18.000 Euro und 21.500 Euro pro Folge vor. Zuletzt vereinbarten Herr Sanoussi-Bliss und die Produktionsfirma eine Vergütung von 2.500 Euro je Drehtag. Die Produzentin verpflichtete ihn abschließend für die Folgen Nr. 391 und Nr. 392 und damit für insgesamt 16 Drehtage bis zum 18. November 2014. Im September und November 2014 teilte sie ihm mit, dass mit diesen beiden Folgen sein Engagement für diese Rolle enden werde. Vorsorglich kündigte sie das Vertragsverhältnis fristlos und hilfsweise ordentlich.

Beide Kläger argumentierten, sie hätten in einem Arbeitsverhältnis und nicht in einem freien Mitarbeiterverhältnis zu der Beklagten gestanden. Eine Befristung des letzten Arbeitsvertrags sei nicht vereinbart worden. Jedenfalls sei eine Befristung mangels Sachgrunds unwirksam. Die Eigenart des Arbeitsverhältnisses rechtfertige die Befristung nicht. Sie seien nicht programmgestaltend tätig gewesen. Insofern könne sich die Beklagte als Produktionsgesellschaft auch nicht auf das Grundrecht der Rundfunkfreiheit (Art. 5 Abs. 1 S. 2 GG) stützen. Es liege außerdem eine unzulässige Kettenbefristung vor. Die Produktionsfirma dagegen meinte, dass die Kläger als Schauspieler, zumal in einer der Hauptrollen der Krimiserie, programmgestaltende Mitarbeiter gewesen seien. Der Sachgrund der Eigenart der Arbeitsleistung liege daher vor. Daneben sei auch der Sachgrund der Drittmittelfinanzierung durch das ZDF gegeben.

Hintergrund

Grundlage für die Zulässigkeit einer Befristung wegen der Eigenart der Arbeitsleistung ist u.a. die im Grundgesetz geschützte Kunstfreiheit (Art. 5 Abs. 3 GG). Sie begrenzt den arbeitsrechtlichen Bestandsschutz und schützt die Vielfalt der Programminhalte. Die Besetzung von Hauptrollen in z.B. Fernsehserien beruht auf künstlerischen Erwägungen. Sie wird von dem Schutzbereich des Grundrechts umfasst.

Entscheidung und Bewertung

Das BAG hat wie schon das LAG München das Vorliegen des Sachgrunds der Eigenart der Arbeitsleistung bejaht und die Revision zurückgewiesen. Wie das LAG München hat das BAG bei seiner Entscheidung auch die Interessen des Klägers berücksichtigt. Es hat angenommen, dass diese nicht das Interesse der Beklagten an einer kurzfristig möglichen Fortentwicklung des Serienformats durch Streichung der Rolle des Klägers überwiegen. Eine solche Entscheidung liege im Kernbereich des künstlerischen Konzepts und betreffe eine die Serie mitprägende Rolle.

Die Entscheidung des BAG hat Bedeutung über den Fall hinaus und ist richtungsweisend für Produktionsunternehmen und Schauspieler. Denn das BAG hat entschieden, dass Schauspieler, zumindest, wenn sie eine Hauptrolle spielen, programmgestaltende Mitarbeiter sind. In diesem Fall liegt daher der Befristungsgrund der Eigenart der Arbeitsleistung vor. Produktionsunternehmen können erst einmal aufatmen: Bei Schauspielern in Hauptrollen, die das Format prägen, besteht keine Notwendigkeit, die Vertragspraxis bezüglich befristeter Verträge anzupassen.