Die GroKo plant, die Kündigung von Bankangestellten ab einem bestimmten Jahresverdienst zu erleichtern. Wir zeigen, was dies für Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Finanzbranche bedeutet.

Die Bundesregierung plant die Trennung von Risikoträgern in bedeutenden Kredit- und Finanzdienstleistungsinstituten zu erleichtern. In diesem Beitrag wollen wir erläutern, wie der Gesetzgeber dies erreichen will und welche Auswirkungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Finanzbranche zu erwarten sind.

Pläne nach dem Koalitionsvertrag: Erleichterte Trennung von Bankangestellten

Triebfeder hinter dem Gedanken, den Kündigungsschutz zugunsten von Kredit- und Finanzdienstleistungsinstituten aufzulockern, war offenbar die Erwägung, den Standort Deutschland nach dem Austritt des Vereinigten Königsreichs aus der Europäischen Union für Banken attraktiver zu machen. Dazu plant die GroKo nach dem Koalitionsvertrag, Risikoträger im Sinne des § 2 Abs. 8 InstVergV mit einer regelmäßigen Grundvergütung von jährlich mehr als dem Dreifachen der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung im Kündigungsschutzgesetz leitenden Angestellten iSd § 14 KSchG gleichzustellen. Dies hätte zur Folge, dass der Arbeitgeber den Auflösungsantrag nach § 9 Abs. 1 S. 2 KSchG in einem Kündigungsschutzprozess mit einem Risikoträger nicht begründen müsste, § 14 Abs. 2 S. 2 KSchG.

Der Auflösungsantrag hat den Zweck, das Arbeitsverhältnis arbeitgeberseitig gegen Zahlung einer angemessenen Abfindung nach § 10 KSchG auch dann beenden zu können, wenn das Gericht die Kündigung für unwirksam hält. Aufgrund der aktuellen Beitragsbemessungsgrenzen wären hiervon alle Risikoträger mit einem Jahreseinkommen von mehr als EUR 234.000 im Westen und EUR 208.800 im Osten betroffen.

Risikoträger in bedeutenden Kredit- oder Finanzdienstleistungsinstituten

Nach § 2 Abs. 8 InstVergV sind Risikoträger Mitarbeiter, deren berufliche Tätigkeit sich wesentlich auf das Risikoprofil eines bedeutenden (§ 17 InstVergV) Kredit- oder Finanzdienstleistungsinstituts (§ 1 Abs. 1 InstVergV i.V.m. § 1 Abs. 1b KWG) auswirkt. Bedeutend ist ein Institut, dessen Bilanzsumme im Durchschnitt zu den jeweiligen Stichtagen der letzten drei abgeschlossenen Geschäftsjahre EUR 15 Mrd. erreicht oder überschritten hat. Die Legaldefinition von Risikoträgern gibt zunächst wenig Anhaltspunkte, welche Kriterien bei der Bestimmung von Risikoträgern herangezogen werden können. Hier hilft die Delegierten Verordnung Nr. 604/2014 der Europäischen Kommission, die in Art. 3 Kriterien zur Bestimmung von Risikoträgern aufstellt, z.B.:

  • der Mitarbeiter ist Mitglied der Geschäftsleitung,
  • der Mitarbeiter leitet einen wesentlichen Geschäftsbereich oder hat Managementverantwortung in einem wesentlichen Geschäftsbereich und ist dem Leiter des Geschäftsbereichs unmittelbar rechenschaftspflichtig,
  • der Mitarbeiter leitet einen Bereich, der für Rechtsfragen, Finanzen, Personal, Vergütungspolitik etc. zuständig ist,
  • der Mitarbeiter ist für Kreditvorschläge oder die Strukturierung von Kreditprodukten mit einem erheblichen Kreditrisiko verantwortlich oder
  • er ist befugt, Entscheidungen über bestimmte Handelsbuchgeschäfte zu genehmigen oder zu untersagen.

Auswirkungen der Trennungserleichterung für die Position als Risikoträger

Seit der am 4. August 2017 in Kraft getretenen Neufassung der InstVergV unterliegen Risikoträger bereits erheblichen Beschränkungen in Bezug auf die Auszahlung und Höhe ihrer variablen Vergütung (z.B. gestreckte Auszahlung, Verringerung und Entfall bzw. Rückzahlung bei negativem Erfolgsbeitrag, Auszahlung in Aktien etc., §§ 18-22 InstVergV).

Jetzt müssen sie sich zusätzlich darauf einstellen, den Bestandsschutz des Kündigungsschutzgesetzes zu verlieren. Denn durch die geplante Änderung wird für diese Arbeitnehmer aus dem Bestandsschutz letztlich – wie bei den leitenden Angestellten – ein „Abfindungsschutz“.

Zwar bedeutet die geplante Änderung nicht, dass der Arbeitgeber zur Kündigung keinen Kündigungsgrund mehr im Sinne des § 1 Abs. 2 KSchG benötigt. Stellt das Gericht jedoch die Sozialwidrigkeit der Kündigung fest, muss der Arbeitnehmer nicht – wie bislang – weiter beschäftigt werden, sondern der Arbeitgeber kann ohne Begründung gegenüber dem Gericht einen sog. Auflösungsantrag stellen. Der Arbeitgeber muss für eine gerichtliche Auflösung des Arbeitsverhältnisses also nicht darlegen und beweisen, dass eine den Betriebszwecken dienliche weitere Zusammenarbeit nicht mehr erwartet werden kann. Das Arbeitsgericht löst das Arbeitsverhältnis vielmehr ohne Begründung gegen Zahlung einer sich am Monatsverdienst, dem Lebensalter sowie der Dauer der Betriebszugehörigkeit orientierten Abfindung auf.

Auswirkungen für Institute

Für Institute iSd InstVergV würde sich bei der Umsetzung der geplanten Änderung das Risiko verringern, sich von dem betreffenden gekündigten Risikoträger horrende Abfindungsforderungen abverhandeln lassen zu müssen. Nach § 9 Abs. 1 S. 2, S. 1 i.V.m. § 10 KSchG hat das Gericht den Arbeitgeber bei der Auflösung eines Arbeitsverhältnisses zur Zahlung einer Abfindung in Höhe von höchstens 18 Monatsverdiensten zu verurteilen. Werden die Schwellenwerte in § 10 Abs. 2 KSchG(Lebensalter: mindestens 50, Betriebszugehörigkeit seit mindestens 15 Jahren) nicht erreicht, liegt der Höchstbetrag der Abfindung bei 12 Monatsverdiensten. Unter den Monatsverdienst fallen auch z.B. Tantiemen und Boni.

In der Praxis der Arbeitsgerichte bestimmt sich die Höhe der Abfindung danach, wie „unwirksam“ die Kündigung ist. Je weniger haltbar die Kündigung ist, desto höher die Abfindung. „Kratzt“ die Kündigung jedoch an der Wirksamkeitsschwelle, wird das Gericht dem Arbeitnehmer regelmäßig eine niedrigere Abfindung zusprechen. In der Regel orientieren sich die Arbeitsgerichte in der Praxis am sog. „Haustarif“, welcher bei 0,5 Monatsverdiensten pro Beschäftigungsjahr liegt.

Bei einem Risikoträger, der beispielsweise EUR 300.000,00 brutto (inkl. Boni) jährlich verdient, unter 50 ist und dem Unternehmen seit zehn Jahren angehört, würde dies eine Abfindung in Höhe von EUR 125.000,00 bedeuten. Dieses Beispiel zeigt, dass die Abfindung für Risikoträger bei mittleren und längeren Betriebszugehörigkeitszeiten deutlich niedriger ausfallen kann, als dies der Fall wäre, wenn die Höchstgrenze der Abfindung nicht gesetzlich bestimmt wäre.

Ausblick: Abfindungen für Risikoträger fallen geringer aus

Es bleibt mit Spannung zu erwarten, ob der Koalitionsvertrag in diesem Punkt tatsächlich umgesetzt wird, denn ob die SPD sich auf die Lockerung des Kündigungsschutzes einlassen wird, erscheint zumindest fraglich. Eine Lockerung könnte sich auch auf andere Branchen oder generell für Angestellte ab einem bestimmten Jahresgehalt ausweiten.

Sicher ist: Sollte die geplante Regelung kommen, werden die Abfindungen für Risikoträger in der Regel deutlich geringer ausfallen als bislang. Auch ohne einen Gerichtsprozess würden sich die Abfindungen an der gesetzlich vorgesehenen Höhe nach § 10 KSchG orientieren, da sich Institute im Hinblick auf die Möglichkeit, einen Auflösungsantrag in einem bevorstehenden Kündigungsschutzprozess zu stellen, nicht mehr auf die Zahlung höherer Abfindungen einlassen würden.