Fonds nach Teil II des Gesetzes vom 17. Dezember 2010 über Organismen für gemeinsame Anlagen (Teil II-Fonds bzw. das Gesetz von 2010) sind stets sog. alternative Investmentfonds (AIF) im Sinne der AIFMD bzw. des Gesetzes vom 12. Juli 2013 über die Verwalter alternativer Investmentfonds (das Gesetz von 2013)1. Auf Teil II-Fonds finden generell die Mindestanforderungen an Verwahrstellen für Fonds nach Teil I des Gesetzes von 2010 Anwendung2. Verwahrstellen für Teil II-Fonds durften damit zwar auch ihre Verwahrfunktionen an einen Dritten auslagern, es war jedoch nicht zulässig, sich von der Haftung mit dem Argument zu befreien, dass der Dritte keiner wirksamen aufsichtlichen Regulierung, einschließlich Mindesteigenkapitalanforderungen unterliegt etc.3.

Am 1. März 2018 wurde ein Gesetz veröffentlicht (das Gesetz von 20184), das mehrere Gesetze ändert, darunter auch das Gesetz von 2010. Die Änderung des Gesetzes von 2010 erfolgt ohne Übergangsfrist. Sie führt zu einer differenzierteren und flexibleren Regelung der Mindestanforderungen an die Verwahrstellen von Teil II-Fonds. Das Gesetz von 2010 unterscheidet nun folgende Fälle:

1) Ein Teil II-Fonds lässt nach seinem Verkaufsprospekt die Vermarktung an Kleinanleger5 in Luxemburg zu - in diesem Fall gelten wie bisher dieselben Verwahrstellenpflichten wie für Teil I-Fonds.6

2) Ein Teil II-Fonds schließt in seinem Verkaufsprospekt den Vertrieb an Kleinanaleger in Luxemburg aus und der Teil II-Fonds wird von einem zugelassenen AIFM verwaltet - in diesem Fall gelten die Verwahrstellenpflichten nach Artikel 19 des Gesetzes von 2013 und der Delegierten Verordnung (EU) 231/2013.

3) Ein Teil II-Fonds schließt in seinem Verkaufsprospekt den Vertrieb an Kleinanaleger in Luxemburg aus und der Teil II-Fonds wird von einem registrierten AIFM verwaltet - in dem Fall gelten die Verwahrstellenpflichten für Verwahrstellen der entsprechende Rechtsform (FCP oder Investmentgesellschaft) nach dem des Gesetz vom 13. Februar 2007 über spezialisierte Investmentfonds.

Im ersten Fall ändert sich für die Teil II-Fonds nichts. Sofern ein Teil II-Fonds keine Kleinanleger hat und keinen Vertrieb an Kleinanleger beabsichtigt, kommt in Betracht, dass er Kleinanleger im Prospekt ausschließt und den Verwahrstellenvertrag anpasst. Gegebenenfalls kann dann eine Haftungsbefreiung vorgesehen werden.