Im Zusammenhang mit der digitalen Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke macht der Begriff der „value gap“ seit geraumer Zeit die Runde. Dabei geht es um die Frage, ob Urheber und Rechteinhaber bei der Verwendung und Anzeige ihrer Werke auf Internetplattformen hinreichend an den dort erzielten Erlösen beteiligt werden. Die Europäische Kommission hat diesen Aspekt unlängst im Rahmen ihrer Strategie für einen Digitalen Binnenmarkt, genauer gesagt im Kontext ihres Entwurfs für eine Richtlinie über das Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt (COM(2016 593 final), aufgegriffen und ein schärferes Monitoring für bestimmte Plattformbetreiber gefordert. Ob dies so kommen wird, ist noch offen. Dass die Blockchain-Technologie Optionen für die Rückverfolgung der Lizenzkette bis hin zum Urheber und damit dessen Partizipation an den im Netz erzielten Einnahmen bietet, dürfte unbestreitbar sein. Die Frage ist nur, wo macht dies Sinn?

Die Überlegungen, wie der Urheber weiterhin beteiligt werden könnte, sind mannigfaltig. Bislang bestehende Lösungen wie Digital Rights Management, Micro-Payments, Paywalls, Abo-Modelle für Nachrichten-Websites oder Streaming-Angebote haben ihre Stärken und Schwächen. Insbesondere setzen Sie nicht zwingend am Urheber an. Ein auf Blockchain basierendes Netzwerk, welches die Rechtekette transparent und unveränderlich abbildet, könnte zu einer fairen Verteilung der mit dem Werk erzielten Einnahmen beitragen. Dabei ist es sekundär, ob es sich bei dem Werk um einen Song, ein Video, eine Bilddatei oder einen geschriebenen Text handelt. Im Prinzip, lässt sich das Modell auf sämtliche digital zu konsumierenden Werke anwenden.

Laut Schätzungen arbeiten weltweit 850 Startups am Einsatz der Blockchain-Technologie. Ein Blick auf die ein oder andere aktuelle, teilweise noch in der Entwicklung befindliche Blockchain-Anwendung zum Thema Copyrightschutz aus dem Hause verschiedener Startups soll Aufschluss über die vorgenannten Fragen geben.

Die „UrhR-Blockchain“

Die Idee hinter dem Prinzip der dezentralen Copyright-Verwaltung basiert auf der Speicherung von kreativen Werken sowie deren Metadaten in einer umfassenden Blockchain. Über letztere wäre es dann möglich, die Verbreitung von digitalen Inhalten in Echtzeit nachzuverfolgen, Berechtigungen zu verifizieren, Nutzungen freizugeben und diese präzise abzurechnen. Auch die Echtheit eines Werks könnte so verifiziert werden.

Die Anfänge sind hier bereits gemacht. Es bestehen Pay-Per-Use-Angebote, die auf der Blockchain-Technologie basieren. Zu nennen sind hier etwa die Plattformen PeerTracks, Ujo Music, Mediachain Attribution Engine, Blokur, Mycelia, Aurovine, Stem, Bittunes oder Decent. So stellt beispielsweise das Londoner Startup Ujo Music Musikern eine Onlineinfrastruktur zur Verfügung, auf der die Künstler unabhängig jedweder Major Labels und Musikverlage ihre Musik veröffentlichen und ihre verwertungs- und lizensierungsrelevanten Informationen selbst festlegen und verwalten können. Zugleich bietet das in der Testphase befindliche Konzept eine Bezahlungsinfrastruktur. Der Urheber des Musikstückes legt dafür den Preis für einen Download, einen kommerziellen Remix oder die Verwertung durch Musikportale fest. Die Bezahlung bei Ujo Music erfolgt über die Kryptowährung Ether. Auf diese Wiese können alle Transaktionen und Aufteilungen nachvollzogen werden.

Die Plattform PeerTracks versteht sich selbst alsMusik-Streaming-Service und Musik-Verkaufsplattform, die eine direkte Bezahlung auf der Basis der Blockchain ermöglicht und den Urhebern 95% der Einnahmen garantiert. Der Dienst nutzt Blockchain für die Transaktionen und transferiert das Geld direkt vom Nutzer an den Künstler. Mittels Smart Contracts können Künstler festlegen, zu welchen Konditionen ihre Songs gehört oder von Produzenten in einem neuen Film verwendet werden dürfen. Jeder einzelne hochgeladen Song wird sodann zu einem Smart Contract beigefügt. Die Bezahlung wird beim Anhören von Titeln innerhalb von Sekunden automatisch ausgeführt und zwischen allen Urheberrechtsinhabern geteilt. Zudem bietet sieNutzern der Plattform an, Wertmarken von Künstlern zu erwerben. Diese erhalten Zugriff auf den gesamten Katalog ohne Werbeunterbrechungen, können neue Künstler entdecken und mit Wertmarken der Künstler handeln. Inhaber dieser Coins erhalten dann spezielle Produkte, wie eine besondere Aufnahme des Stückes oder einen Backstage-Pass für ein Konzert. Mit steigendem Bekanntheitsgrad der Künstler wächst auch der Wert der jeweiligen Subwährung.

Über das Berliner Startup Ascribe können Urheber überdies ihre digitalen Werke kostenlos in einer Blockchain registrieren und die zugehörigen Nutzungsrechte öffentlich machen. Durch die Redundanz der Informationen kann sichergestellt werden, dass weder Daten verloren gehen, noch nachträglich geändert werden. Die große Herausforderung ist jedoch, in solch einem dezentralen Netzwerk zu verifizieren, welche Daten echt sind und welche möglicherweise Fälschungen. Die Blockchain löst dieses Problem derzeit mit ökonomischen Anreizen (Bitcoins), nicht gegen, sondern nach den Regeln zu spielen.

Der Anbieter Blockai benutzt die Blockchain für Schriftsteller und Künstler, um die Erstellung neuer Werke mit Zeitstempeln festzuhalten. Jeder Nutzer besitzt ein Profil, in dem die jeweiligen Zertifikate verwaltet werden und den Zugriff auf bestimmte Inhalte erlauben. Einmal hochgeladen, kann die Nutzung der Medien nachverfolgt, Uhrheberechtsverletzungen automatisiert erkannt und der Inhaber bei unberechtigten Zugriffen informiert werden.

Das in Brooklyn ansässige Mediachain Lab bietet schließlich einen Stockfotodienst an und nutzt die Blockchain-Technologie, um Medieninhalte mit ihrem jeweiligen Urheber zu verknüpfen. Nutzer suchen nach Stichwörtern oder laden ein Bild hoch, um identische oder vergleichbare Inhalte zusammen mit deren Rechteinhaber, Ursprungsort und Thema zu finden. Sodann können die Fotos genutzt werden, wobei die Zuschreibung zum Urheber automatisch erfolgt. Mittels dieser Software können Urheber ein größeres Publikum erreichen und gleichzeitig die Kontrolle über ihre Daten behalten.

Was ist rechtlich zu beachten?

Blockchain kann als Mittel zur Rückverfolgung der Lizenzkette und zur Abrechnung von Nutzungshandlungen dienen. Dabei stellt sich – wie stets im Kontext von Blockchain – das Problem, die technische Lösung – also den Smart Contract – mit der tatsächlichen Rechtslage abzugleichen. Dies gelingt, wenn die Programmierung zumindest die typischen Leistungsstörungen antizipiert und Handlungsalternativen bietet, welche auch die Rückabwicklung von Transaktionen, die nach dem geltenden Recht unzulässig oder nichtig waren, zu ermöglichen. Auch bietet sich an, für nicht automatisiert lösbare Konflikte einen Lösungsmechanismus anzusteuern, auf den sich alle Beteiligten verständigt haben. Dies könnte eine systeminterne Schlichtung oder Arbitration sein.

Wichtig ist, dass nur eine Blockchain, die auch hinreichend Rechtssicherheit bietet, Aussicht auf Erfolg hat. Mit Erfolg ist dabei der Einsatz in umfassenden Systemen der Rechteverwaltung gemeint. Hier könnte insbesondere die kollektive Rechtewahrnehmung und -verwaltung durch Verwertungsgesellschaften einen Anwendungsfall bilden.