Das Sport-Sponsoring ist eine der größten Einnahmequellen für Sportverbände, Klubs und Athleten, während umgekehrt Unternehmen mittels Sponsoring ihren Bekanntheitsgrad steigern und Imagepflege betreiben können. Dies gilt insbesondere bei internationalen Großereignissen wie den Olympischen Spielen. Das BKartA hat nun ein Verfahren gegen den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) eingeleitet. Es geht um eine möglicherweise kartellrechtswidrige Sponsoringregelung des IOC.

Gerade bei sportlichen Großereignissen – wie etwa den Olympischen Spielen – werden die Sponsoringmöglichkeiten von den Sportverbänden als Organisatoren der Veranstaltung auf einige wenige Unternehmen begrenzt. Diese erhalten dann meist weltweite, langfristige und branchenexklusive Sponsoringrechte (siehe hierzu Horn, Die Anwendung des europäischen Kartellrechts auf den Sport, S. 180 f.).

Mit dieser Vermarktung der Sponsoringrechte seitens der Verbände geht in der sportverbandlichen Regelsetzung häufig eine Beschränkung der Werberechte zulasten der an dem Sportwettbewerb teilnehmenden Athleten bzw. Athletinnen einher. So lautet etwa Art. 40.3 der Olympischen Charta:

„Except as permitted by the IOC Executive Board, no competitor, team official or other team personnel who participates in the Olympic Games may allow his person, name, picture or sports performances to be used for advertising purposes during the Olympic Games.”

Will ein Sportler an den Olympischen Spielen teilnehmen, unterwirft er sich regelmäßig in der Athletenvereinbarung diesem Werbeverbot. Die Folgen sind klar: Sportler können sich nicht einzeln vermarkten und Unternehmen bleiben Sponsoringmöglichkeiten bei Großturnieren mit entsprechender medialer Aufmerksamkeit verschlossen.

Das BKartA hat nun ein Verwaltungsverfahren gegen den DOSB wegen Art. 40.3 der Olympischen Charta eingeleitet. Zwar ist der DOSB selbst gar nicht Urheber der Regelung; allerdings setzt er diese mittels Athletenvereinbarung gegenüber den Sportlern durch. Vielleicht ist dies der Anknüpfungspunkt für das BKartA, das Verfahren gegen den DOSB einzuleiten.

Für das Verfahren stellen sich einige kartellrechtliche Fragen:

  • Ist der DOSB als Unternehmen i. S. d. Kartellrechts zu qualifizieren, wenn er Art. 40.3 der Olympischen Charta des IOC gegenüber den Athleten und Athletinnen umsetzt?
  • Wird das BKartA einen möglichen Verstoß auf die Marktmachtmissbrauchsverbote des europäischen bzw. deutschen Kartellrechts stützen? Hierfür müsste es dann aber eine marktbeherrschende (oder jedenfalls marktmächtige) Stellung des DOSB nachweisen.
  • Liegt (auch) ein Verstoß des DOSB gegen das europäische bzw. deutsche Kartellverbot vor? In dem Leiturteil „Meca-Medina“ hat der Europäische Gerichtshof einst eine sportverbandliche Anti-Doping-Regelung am Kartellverbot gemessen (Rs. C-519/04 P, Slg. 2006, I-6691). Möglicherweise wird sich das BKartA an diesem Prüfungsmaßstab bei seiner Rechtsfindung orientieren.

Eines ist aber schon jetzt klar: Die Akteure des Sportsektors sind auch weiterhin im Visier der Wettbewerbshüter. Insbesondere die Sportverbände müssen bei ihrer Regelsetzung das Kartellrecht im Auge behalten. Wenn Athleten, aber auch verbandsfremde Marktteilnehmer wie Sponsoren, Investoren oder Spielervermittler aufgrund sportverbandlicher Regeln vom Markt ausgeschlossen werden, wird sich Widerstand regen und es droht ein behördliches oder zivilrechtliches Kartellverfahren.