ESMA hat am 8.6.2016 ihren abschließenden Bericht sowie Draft Technical Standards (DTS) zurELTIF-Verordnung (Verordnung (EU) 2015/760 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2015 über europäische langfristige Investmentfonds – ELTIF-VO) veröffentlicht. DieDTS enthalten Konkretisierungen zu zulässigen Anlagegenständen (Art. 9 ELTIF-VO), der Mindestlaufzeit der Fonds (Art. 18 ELTIF-VO), zur Zielmarktanalyse (Art. 21 ELTIF-VO), der Kostenermittlung und -darstellung (Art. 25 ELTIF-VO) sowie zu den nach Art. 26 erforderlichen Einrichtungen in anderen Staaten beim grenzüberschreitenden Vertrieb von Anteilen an ELTIF.

Art. 1 der DTS betrifft den Einsatz von Derivaten als Vermögensgegenstand. Grundsätzlich sind derivative Finanzinstrumente keine zulässigen Anlagegenstände für ELTIF. Nach Art. 1 ist die Anlage in Derivate aber ausnahmsweise zulässig, insofern die Anlage zum Zweck derAbsicherung der regulär zulässigen Anlagegenstände erfolgt.

In Art. 2 der DTS werden Vorgaben zur angemessenen Mindestlaufzeit i.S.d. Art. 21 ELTIF-VO getroffen. Wie sich bereits aus der Namensgebung der Long-Term Investment Funds ergibt, sieht die ELTIF-VO eine gewisse Mindestlaufzeit der Fonds vor, damit diese an der Privilegierung partizipieren können, die die Einstufung als ELTIF mit sich bringt. Art. 18 Abs. 3 ELTIF-VO enthält nur abstrakte Vorgaben zu den Anforderungen an die Angemessenheit der Mindestlaufzeit. In denDTS werden die Vorgaben nun dahingehend konkretisiert, dass die Laufzeit des ELTIFentsprechend dem Investmenthorizont der Anlage mit der längsten Dauer auszugestalten ist. Ursprünglich sahen die DTS in der Konsultationsphase noch vor, die Mindestlaufzeit anhand der veranschlagten Lebensdauer der Anlagegenstände zu orientieren. Von Seiten einiger Investorenverbände war dagegen eingewendet worden, dass sich die Lebensdauer häufig nicht bestimmen lasse, bzw. einige Vermögensgegenstände keine feste Lebensdauer haben sollten. Die Neuregelung orientiert sich daher an der Berechnung der Wirtschaftlichkeit einer Anlage und der Lebensdauer wie sie darin definiert ist.

Die Regelung in Art. 3 der DTS betrifft die nach Art. 21 ELTIF-VO vorzunehmendeMarktbewertung. Der ELTIF hat sicherzustellen, dass die vertriebenen Anteile am Laufzeitende zurückgenommen werden können. Dazu hat der ELTIF für jeden Vermögenswert, in den der ELTIFinvestiert hat, eine Bewertung des Verkaufserlöses durchzuführen. Art. 21 enthält abstrakte Vorgaben, welche Parameter in die Bewertung der Veräußerbarkeit einzubeziehen sind. Art. 3 derDTS konkretisiert diese Vorgaben nun. Danach hat der Verwalter des ELTIF u.a. zu prüfen, ob (i) nur ein oder mehrere mögliche Käufer vor den Vermögenswert vorhanden sind, (ii) der oder die potentiellen Käufer von einer externen Finanzierung abhängig sein werden, (iii) wie lange eine mögliche Suche nach einem potentiellen Käufer zu veranschlagen wäre, wenn kein Käufer identifiziert werden kann und (iv) welche Risiken durch eine Änderung der Rechtslage oder politischen Lage ergeben könnten. Art. 4 konkretisiert Vorgaben zur Bewertung des möglichen Verkaufserlöses der Vermögenswerte zum Zeitpunkt der Anteilsrücknahme.

In Art. 5 sind nähere Vorgaben zu den nach Art. 26 vorgeschriebenen Einrichtungen enthalten, die beim Vertrieb an Privatanleger nachzuweisen sind. Diese Einrichtungen dienen als zentrale Kontaktstelle für Privatkunden, über die u.a. die Zahlungen der Zeichnungssummen abzuwickeln sind und Anteile am ELTIF gezeichnet werden können.

Die DTS wurden nun von ESMA an die Kommission übermittelt, die – vorbehaltlich einer eigenen Prüfung – die Technischen Standards als Regulatory Technical Standards als Level 2-Verordnung erlässt.