Das LAG Düsseldorf hat mit Urteil vom 27. November 2015 (Az. 14 Sa 800/15) auf die Berufung von ThyssenKrupp hin entschieden, dass ein Verkaufsleiter nicht für Bußgelder auf Schadensersatz haftet, wenn sein grob pflichtwidriger Tatbeitrag gegenüber dem Organisationsverschulden des Unternehmens bei Schaffung eines kartellrechtswidrigen Absprachesystems in den Hintergrund tritt. ThyssenKrupp hatte im Jahr 2001 auf einer Tagung seinen Mitarbeitern unter Anwesenheit von Geschäftsführung und Vorstand das Absprachesystem vorgestellt. Das hieraus resultierende Mitverschulden des Arbeitgebers am Kartellverstoß überwiege in diesem Fall die Beteiligung des Verkaufsleiters an den Absprachen. Hintergrund der Entscheidung ist das Schienenkartell. ThyssenKrupp wollte nach Verhängung eines Bußgelds in Höhe von EUR 88 Mio. im Jahr 2013 einen Schaden in Höhe von EUR 300.000 (insbesondere Rechtsverfolgungskosten und Teile des Bußgelds) bei dem Verkaufsleiter einklagen. ThyssenKrupp hat gegen das Urteil zwischenzeitlich Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt (Az. 8 AZN 1150/15). Zum weiteren Hintergrund des Schienenkartells und den in diesem Zusammenhang bereits ergangenen Entscheidungen des LAG Düsseldorf siehe auch Newsletter 2/2015 (Abwälzung von Bußgeld und Schadensersatz auf Geschäftsführer? – „ThyssenKrupp/Sehlbach“; LAG Düsseldorf, Beschluss vom 20. Januar 2015 – 16 Sa 458/14; Teilurteile und Beschlüsse vom 20. Januar 2015 – 16 Sa 459/14, 16 Sa 460/14).