Seit dem 23. Juli 2015 ist eine neue Definition des bilanzrechtlichen Umsatzbegriffs in Kraft, die – trotz Übergangsregelung im EGHGB – im Rahmen der Fusionskontrolle bereits jetzt zu berücksichtigen ist. Mit dem Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (BilRUG) erfolgte eine Änderung des § 277 Abs. 1 HGB: In der Vergangenheit war hier der Umsatz aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit maßgeblich, d.h. atypische Umsätze konnten außer Betracht bleiben. Nach der geänderten Regelung sind demgegenüber alle Erlöse mit Erzeugnissen und Waren zu berücksichtigen. Zwar muss die Änderung von den Unter-nehmen mit Blick auf den Jahresabschluss erst für das Geschäftsjahr nach dem 31. Dezember 2015 berücksichtigt werden (Art. 75 Abs. 2 EGHGB). Für vorangehende Geschäftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2013 begonnen haben, hat das Unternehmen ein Wahlrecht. Im Rahmen des § 38 Abs. 1 GWB, der auf § 277 Abs. 1 HGB verweist, ist die Änderung indes bereits jetzt relevant. Für Zwecke der Fusionskontrolle sind daher die Umsätze nach dem neuem Bilanzrecht (zusätzlich) zu ermitteln und zugrunde zu legen. Erst bei Gewinn- und Verlustrechnungen (GuV), die zum 31. Dezember 2016 oder später aufgestellt werden, kann grundsätzlich wieder von einem Gleichlauf der Vorgaben zur Fusionskontrolle und der Praxis der handelsrechtlichen Bilanzierung ausgegangen werden. Der einfache Blick in die nach alten Grundsätzen aufgestellte GuV genügt also nicht mehr.