Mitte Dezember 2014 kündigte die Schweizerische Nationalbank (SNB) an, Negativzinsen auf Sichteinlagen von Finanzinstituten einzuführen. Damit sollte der Druck auf den damaligen Mindestkurs von EUR/CHF 1.20 gemildert werden. Im Januar 2015 gab die SNB die EUR/CHFUntergrenze auf, was den Franken in die Höhe schnellen liess. Um die negativen Folgen dieses Wechselkursschockes (v.a. für exportorientierte Unternehmen) abzufedern, verschärfte die SNB die Negativzinsen, indem sie ihr Drei-Monats-Libor-Ziel auf –0.75% senkte. Die SNB zog damit mit der Europäischen Zentralbank (EZB) gleich, welche den Negativzins bereits Anfang Juni 2014 eingeführt hatte. 

Eine Studie der UBS schätzt die direkten Kosten im Bankensektor durch die negativ verzinsten Sichteinlagen bei der SNB auf bis zu CHF 1 Mrd. ein. Entsprechend wird heute darüber diskutiert, ob auch Negativzinsen auf Kundengeldern bei Banken erhoben werden sollen.

Neben ökonomischen Fragestellungen bringt die Einführung von Negativzinsen auf Sichteinlagen und deren Weiterverrechnung an die Anleger (institutionelle und private) auch einen Strauss an steuerrechtlichen Fragen mit sich. Ob ein negativer Zins noch als solcher betrachtet werden kann oder eher eine Kommission bzw. Gebühr darstellt, kann zu unterschiedlichen Steuerfolgen führen. 

Ist ein Negativzins ein «Zins» im steuerlichen Sinne?

Negativzinsen stellen an sich kein Novum in der Schweiz dar. Bereits in den 1960er und 1970er Jahren erhob die SNB Negativzinsen, allerdings im Zusammenhang mit dem Zufluss ausländischer Gelder. Damals hatte sich auch das Bundesgericht mit Negativzinsen zu befassen und bezeichnete diese als Kommissionen. Ob sich das Bundesgericht dieser Betrachtung heute noch anschliessen würde, ist ungewiss.

Einkommens- und Gewinnsteuer

Sofern eine natürliche Person Negativzinsen zu entrichten hat, sind etwaige Folgen für ihre Einkommenssteuer zu eruieren. Dabei steht die Abzugsfähigkeit des mit einem Negativzins oder einer Kommission verbundenen Aufwandes im Fokus. Private Schuldzinsen können grundsätzlich im Umfang der steuerbaren Vermögenserträge zuzüglich weiterer CHF 50’000 abgezogen werden. Dies müsste grundsätzlich auch bei belasteten Negativzinsen gelten. Eine Rechtsprechung zu diesem Thema gibt es jedoch nicht. Würden Negativzinsen hingegen steuerlich als Kommissionen für die Kontoführung behandelt, so wären diese Kosten bei der Einkommenssteuer grundsätzlich nicht absetzbar. Immerhin für die Gewinnsteuer kann die Qualifikation des Negativzinses offen bleiben, da die entsprechenden Aufwendungen stets geschäftsmässig begründet sind und somit gewinnmindernd wirken. Hingegen können sich hier Fragen etwa im Zusammenhang mit Cash-Pools stellen, ob ein negativer Zins an die Cash-Pool Teilnehmer weiterzuleiten ist oder nicht.

Mehrwertsteuer 

Zinserträge sind von der Mehrwertsteuer ausgenommene Umsätze und führen zu einer Vorsteuerkürzung. Dies gilt ebenfalls, wenn der Negativzins als Kommission für die Kontoführung zu verstehen ist. Hingegen wird etwa das Entgelt für die Verwahrung und Verwaltung von Wertpapieren (Depotgeschäft) als mehrwertsteuerpflichtiger Umsatz betrachtet. Je nachdem, wie ein negativer Zins mehrwertsteuerlich qualifiziert wird, können unterschiedliche Steuerfolgen resultieren.

Fazit

Sollten Negativzinsen auf Einlagen von Bankkunden in Erwägung gezogen werden, sind auch die steuerlichen Implikationen zu analysieren. FRORIEP beobachtet die laufenden Entwicklungen und steht Ihnen bei Fragen gerne zur Verfügung.