In der Schweiz steckt das Crowdfunding – d.h. das Sammeln von Geldern über das Internet – immer noch im Anfangsstadium. Traditionell wird es über entsprechende Vermittlungs-Plattformen organisiert. Neue dezentrale Technologien wie Blockchain lassen es nun aber auch zu, dass sich Projekte und Geldgeber direkt, ohne Intermediär kurzschliessen und auf globaler, anonymer und sicherer Basis Transaktionen vornehmen können. Sowohl die Geldgeber wie auch die Empfänger sollten sich dabei aber stets über die steuerlichen Folgen einer solchen Transaktion wie auch ihrer jeweiligen Rechte und Pflichten im Klaren sein.

Die Schwierigkeit beim Crowdfunding liegt darin, dass es je nach Form ganz unterschiedliche Steuerfolgen zu beachten gilt. Zudem sind unzählige Kombinationen oder grenzüberschreitende Sachverhalte möglich, was die Sachlage weiter verkompliziert. Beschränkt auf die Schweiz können zum Beispiel Stempelabgaben sowie Einkommens-, Gewinn- Verrechnungs-, Schenkungs- Vermögens-, Kapital-, Grund- oder Mehrwertsteuern anfallen.

Beim Crowdinvesting leistet ein Investor eine Kapitaleinlage in eine Gesellschaft gegen Ausgabe von Eigenkapitalanteilen (d.h. Aktien, Stammanteile, Genuss- oder Partizipationsscheine). Die Ausgabe von Kapitalanteilen unterliegt dabei der Emissionsabgabe von einem Prozent, sofern der Verkehrswert der Einlagen gesamthaft CHF 1 Million übersteigt. Die Rückzahlung der Kapitaleinlage an den Investor kann danach jedoch steuerfrei erfolgen. Allfällige Gewinnausschüttungen sind beim Investor als Kapitalertrag (teilweise) steuerbar. Vom Ausschüttungsbetrag ist eine Verrechnungssteuer von 35 Prozent abzuziehen, welche dann durch den Investor unter Umständen wieder zurückgefordert werden kann (Sicherungssteuer). Ist der Investor eine Privatperson, unterliegen die Kapitalanteile zudem der Vermögenssteuer zum jeweiligen Verkehrswert. Dabei können sich neue Finanzierungsrunden negativ auf die Kapitalsteuerbelastung auswirken: Wenn zum Beispiel in einer zweiten Finanzierungsrunde für eine fünf Prozent Beteiligung CHF 1 Million geboten werden, entsprechen die restlichen 95 Prozent gemäss Steueramt plötzlich CHF 19 Millionen, obwohl das Unternehmen wahrscheinlich immer noch Verluste schreibt.

Unter dem Begriff Crowdlending ist eine Darlehensgewährung mit risikoabhängigen Zinszahlungen zu verstehen. Marktkonforme Zinszahlungen sind als steuerlich relevanter Abzug / Aufwand (Kreditnehmer), respektive als Ertrag (Kreditgeber) zu erfassen, wobei der Abzug von privaten Schuldzinsen gesetzlich auf den Betrag der steuerbaren Vermögenserträge plus CHF 50‘000 limitiert ist. Bei mehr als zehn Kreditgebern zu gleichen Bedingungen oder mehr als 20 Kreditgebern zu verschiedenen Bedingungen wird auf den Zinszahlungen zudem die Verrechnungssteuer von 35 Prozent erhoben (= steuerliche Umqualifikation der Darlehen in Obligationen).

Das Leisten von Spenden ohne Gegenleistung wird als Crowddonating bezeichnet. In der Schweiz können natürliche Personen Spenden und Schenkungen nur dann steuerlich abziehen, wenn kumulativ die Begünstigte eine steuerbefreite juristische Personen mit Sitz in der Schweiz ist, die Zuwendungen den Betrag von CHF 100 übersteigen und diese weniger als 20 Prozent des steuerbaren Einkommens ausmachen. Für juristische Personen gelten ähnliche Regeln. Beim Empfänger dagegen können Spenden und Schenkungen je nach Sachverhalt und Beteiligungsverhältnissen entweder der Schenkungssteuer, der Einkommens- bzw. der Gewinnsteuer oder einer Kombination dieser Steuern unterliegen – oder aber steuerfrei sein.

Beim Crowdsupporting schliesslich erhalten Supporter für ihre Zahlung eine (meist einmalige) Gegenleistung (z.B. Produkt, Werk oder Dienstleistung). Unternehmen erfassen als Supporter die Zahlung als Waren- oder Dienstleistungsaufwand oder aktivieren diese. Privatpersonen können dagegen als Supporter grundsätzlich keine Abzüge machen. Beim Projektinitiant ist der Verkauf von Produkten, Werken oder Dienstleistungen dagegen als steuerlich relevanter Ertrag zu erfassen. Der Verkauf unterliegt zudem der Mehrwertsteuer zum jeweils anwendbaren Satz (je nach Gegenleistung 2.5 Prozent, 3.8 Prozent oder acht Prozent).

Aufgrund dieser vielfältigen Steuerfolgen und den zahlreichen Kombinationsmöglichkeiten sollte für grössere und komplexere Crowdfunding-Projekte immer vorab eine detaillierte Einzelfallanalyse durchgeführt werden, damit die genauen Umstände und Besonderheiten einbezogen werden können. Sowohl die Geldgeber wie auch die Empfänger müssen verstehen, in was investiert wird und was die entsprechende Gegenleistung ist. Dies gilt unabhängig davon, ob eine Transaktion wie bis anhin in traditionellen Währungen erfolgt oder neu auf der Blockchain, zum Beispiel in Bitcoins, geschieht. Von Projekten, welche zwar viel versprechen, aber sowohl betreffend Umsetzung wie auch Gegenleistung unklar beschrieben sind, sollte man die Finger lassen. Denn wie in allen Lebenslagen gilt: Trau, schau, wem!