Per 1.1.2016 passt der Kanton Zürich die Berechnung der schweizerischen Arbeitstage ausländischer Arbeitnehmer an. Dadurch erhöht sich der Anteil der quellensteuerpflichtigen Arbeitstage, welche durch den Arbeitgeber in der Schweiz abgerechnet werden müssen. Betroffen von der Änderung sind sämtliche Arbeitgeber im Kanton Zürich, welche Arbeitnehmer beschäftigen, die weder steuerrechtlichen Wohnsitz noch Aufenthalt in der Schweiz haben und damit für ihr Erwerbseinkommen an der Quelle besteuert werden.

Bisherige Praxis gültig bis 31.12.2015

Bisher wurden nur die effektiv in der Schweiz erbrachten Arbeitstage besteuert. Hierbei waren nur jene Tage massgebend, an denen in der Schweiz tatsächlich physisch gearbeitet wurde, Krankheitstage in der Schweiz, sofern die Krankheit eine Ausreise nicht verhinderte und Anwesenheitstage in der Schweiz an denen die Ausübung der Arbeitstätigkeit ausnahmsweise nicht möglich war. Die entsprechenden Schweizer Tage wurden anhand eines Kalendariums nachgewiesen.

Neue Praxis gültig ab 1.1.2016

Zwar erwähnt auch das neue Merkblatt, dass nur die effektiv in der Schweiz erbrachten Arbeitstage besteuert werden können. Neu ist hierbei aber, dass aus Vereinfachungsgründen die Schweizer Tage ermittelt werden, indem fiktiv von 20 Arbeitstagen pro Monat ausgegangen wird und hiervon die effektiven ausländischen Arbeitstage in Abzug gebracht werden. Hierbei gelten als ausländische Arbeitstage, Arbeitstage in einem anderen Staat sowie Abreise- oder Ankunftstage, an denen ausschliesslich oder zum grössten Teil im anderen Staat gearbeitet wird. Die entsprechenden ausländischen Tage sind anhand eines Kalendariums nachzuweisen.

Auswirkungen der neuen Formulierung auf die Praxis

Notwendige Unterlagen/Dokumentation

Zum Nachweis der ausländischen Arbeitstage muss der Arbeitnehmer wie bis anhin ein Kalendarium führen.

Besteuerungsumfang in der Schweiz

Nach bisheriger Praxis erfolgte die Ausscheidung des Bruttoeinkommens ins Ausland anhand des Verhältnisses der Arbeitstage im Ausland zu den gesamten Arbeitstagen. Dies führte dazu, dass bezahlte Nichtarbeitstage wie Ferien- und Krankheitstage proportional auf die total geleisteten Arbeitstage im In- und Ausland verteilt und entsprechend besteuert wurden. Die neue Regel führt dazu, dass sämtliche bezahlten ausländischen Nichtarbeitstage in der Schweiz zu versteuern sind.

Aufgrund der gewählten Formulierung besteht vermehrt das Risiko einer Doppelbesteuerung der entsprechenden Einkünfte durch den Wohnsitzstaat und die Schweiz.

Rulings

Das Kantonale Steueramt Zürich plant, bestehende Rulings auf die neue Praxis hin zu überprüfen und allenfalls entsprechende Anpassungen zu verlangen. Zukünftige Rulings müssen sich nach der neuen Regelung richten. Ausnahmsweise sollen einzelfallbezogene Rulings weiterhin möglich sein.

Unsere Beurteilung

Verhältnis zur aktuellen Bundesgerichtspraxis

Das Bundesgericht hat in mehreren Entscheiden festgehalten, dass die Steuerpflicht in der Schweiz eine persönliche Anwesenheit des Arbeitnehmers in der Schweiz voraussetzt. Aufgrund der vereinfachten Berechnungsformel werden jedoch nicht mehr nur die schweizerischen Arbeitstage, sondern auch die ausländischen Nicht-Arbeitstage (wie Ferien, Feiertage) vollumfänglich der schweizerischen Besteuerung unterworfen, was im Widerspruch zur geltenden Rechtsprechung steht.

Verhältnis zu den geltenden Doppelbesteuerungsabkommen

Im Hinblick auf Erwerbseinkünfte sehen die von der Schweiz abgeschlossenen Doppelbesteuerungsabkommen regelmässig vor, dass ein nicht in der Schweiz ansässiger Arbeitnehmer in der Schweiz nur jenes Einkommen zu versteuern hat, für welches er in der Schweiz tätig wird.

Schlussfolgerung und nächste Schritte

Die neue Regelung führt zwar zu einer Vereinfachung des Verfahrens auf Seiten der Steuerbehörden. Gleichzeitig wird hierdurch aber das schweizerische Besteuerungsrecht über die geltende Rechtsprechung und bestehende Doppelbesteuerungsabkommen hinaus ausgedehnt. Es ist ausserdem davon auszugehen, dass andere Kantone ihre Praxis an diejenige des Kantons Zürich anpassen könnten.

In Fällen, in denen der Arbeitnehmer nur einen Arbeitgeber hat und ausschliesslich in der Schweiz tätig ist, ergibt sich kein Handlungsbedarf.

Ist der Mitarbeiter aber regelmässig im Ausland tätig oder hat er mehrere Arbeitgeber (im In- und Ausland), so sollten die sich ergebenden Folgen frühzeitig analysiert werden. Falls die neue Lösung zu einer Schlechterstellung führt, bzw. die neue Praxis zu einer Überbesteuerung oder zu einer Doppelbesteuerung führt, empfiehlt es sich den jeweiligen Einzelfall anhand eines Rulings mit den kantonalen Steuerbehörden zu klären. Wir unterstützen Sie hierbei gerne.