Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat am 1. Dezember 2015 entschieden (Az. 48226/10 und Az. 14027/11), dass eine rechtsgrundlose Sperre der Video-Hosting-Plattform YouTube das Recht auf Empfang und Weitergabe von Informationen verletzt.

Die YouTube-Sperre wurde angeordnet, da die Webseite nach türkischem Recht beleidigende Inhalte enthalte, die das Andenken an den Begründer und ersten Präsidenten der Republik Türkei, Kemal Atatürk, verletzten. Die Beschwerdeführer wandten sich gegen die Sperranordnung, da diese sie in ihrer akademischen Tätigkeit einschränke und es ein öffentliches Interesse an der Nutzung von YouTube gäbe. Dem folgte der EGMR: Die Plattform sei eine gewichtige Quelle der Kommunikation. Die Sperre hindere den Zugang zu Informationen, die anderweitig nicht zugängig wären. Zudem fördere die Plattform die Entstehung von partizipativem Bürgerjournalismus. So könnten auch Informationen verbreitet werden, die von traditionellen Medien nicht wiedergegeben würden. YouTube spiele daher eine herausragende Rolle für die Informationsfreiheit. Eine Sperre der gesamten Webseite ohne Rechtsgrundlage verletze Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention.