Der Bundesgerichtshof hat in einer Entscheidung vom 28.07.2016 der in Deutschland allgemeingültigen Annahme, wonach eine Parodie stets einer antithematischen Bearbeitung bedarf, eine Absage erteilt. Vertrat der Bundesgerichtshof noch in seiner Pippi-Langstrumpf-Kostüm Entscheidung die Einschätzung, dass Wesensmerkmal einer Parodie die sogenannte antithematische Behandlung, d.h. die künstlerische Auseinandersetzung mit dem parodierten Werk oder dem durch das benutzten Werkes dargestellten Gegenstand sei scheint er diese Rechtsmeinung mit Blick auf die Deckmyn und Vrijheidsfonds/Vandersteen Entscheidung des Gerichtshofes der Europäischen Union vom September 2014 aufgegeben zu haben. Zwar hatte der Bundesgerichtshof schon bisher zu erkennen gegeben, dass eine erkennbare Benutzung des älteren Werkes auch auf andere Weise als durch antithematische Auseinandersetzung möglich sei. Konkrete Beispiele blieb der Bundesgerichtshof allerdings stets schuldig und forderte stattdessen im Nachgang dieser allgemeinen Ausführungen im Falle der Parodie gebetsmühlenartig die antithematische Behandlung so bspw. in den BGH-Entscheidungen Alcolix und Asterix-Persiflagen). Dies dürfte nun anders werden. Der rechtliche Begriff der Parodie erfordert nunmehr nach Meinung des Bundesgerichtshofes keine irgendwie geartete Auseinandersetzung mehr. Grund hierfür ist, dass der Begriff „Parodie“ infolge einer Entscheidung des Gerichtshofs der Europäischen Union nunmehr vom Bundesgerichtshof als ein eigenständiger Begriff des Unionsrechts gewertet wird. Nach der Rechtsprechung des Gerichtshofes der Europäische Union reiche es aber aus, dass die Parodie einen eigenen ursprünglichen Charakter habe, der nicht nur darin bestehe, gegenüber dem parodierten ursprünglichen Werk wahrnehmbare Unterschiede aufzuweisen. Das sei aber bereits der Fall, wenn die an das bestehende Werk erinnernde Bearbeitung eine Verspottung zum Ausdruck bringe. Ein Grund hierfür mag sein, dass die Parodie insbesondere durch den Grundsatz der Meinungs- und Kunstfreiheit geschützt und seine Grenzen nur im Wege einer Interessenabwägung gezogen werden dürften. Diese Grenzen scheinen allerdings (offenbar aufgrund der alles beherrschenden Kunstfreiheit) weit gesteckt. Ein Verbot wird man, so die weitere Einschätzung des Bundesgerichtshofs, mit Blick auf die Deckmyn und Vrijheidsfonds/Vandersteen Entscheidung zukünftig nur dort annehmen können, wo entweder urheberpersönlichkeitsrechtliche Belange (namentlich § 14 UrhG) oder Interessen Dritter mit Ausstrahlungswirkung auf den Urheber und sein Werk (beispielsweise Diskriminierung nach Art. 21 der EU Grundrechte Charta, mit denen der Urheber sein Werk nicht in Verbindung gesetzt wissen will, verletzt werden. Es bleibt abzuwarten und spannend, wie die Instanzgerichte auf diese neue Entscheidungspraxis reagieren werden.