Die Überwachungspflicht der Architekten beschränkt sich darauf sicherzustellen, dass die anzunehmende besondere Fachkenntnis im Einzelfall auch tatsächlich zum Tragen kommt. Dies gilt jedenfalls dann, wenn ein besonders sachkundiger Abbruchunternehmer beauftragt wird, der eigenverantwortlich Prüfmaßnahmen betreffend das Abbruchmaterial durch- führen soll. Das hat das OLG Schleswig mit Urteil vom 10.10.2014 – 1 U 88/11 – entschieden.

Die Architekten wurden mit der Planung, Vorbereitung der Vergabe, Mitwirkung bei der Vergabe und der Objektüberwachung des Abbruchs einer Kasernenanlage beauftragt. Für die Objektüberwachung wurden nur 5 % des Gesamthonorars vereinbart. Mit den Abbrucharbeiten wurde ein Spezialunternehmen, das insbesondere den Abbruch alter Kasernen durchführt, beauftragt. Dieses Unternehmen hatte auch stichprobenartige Analysen des Abbruchguts durchzuführen. Entsprechend nicht zum Wiedereinbau geeignete Materialien wa- ren zu separieren, getrennt zu lagern und zu entsorgen. Die erforderliche konsequente Trennung in mineralische und nicht mineralische Stoffe wurde vom Abbruchunternehmer nicht durchgeführt. Dies führte dazu, dass nicht zur Verfüllung geeignetes Material in erheblichen Mengen anfiel. Der Bauherr nahm die Architekten auf Schadensersatz in Anspruch. Dieser hatte stichprobenartige Überprüfungen vorgenommen und auch Mängel gerügt.

Der Bauherr unterliegt mit seinem Schadensersatzanspruch. Das OLG Schleswig weist darauf hin, dass es sich bei dem beauftragten Abbruchunternehmen um ein besonders sachkundiges und erfahrendes Unternehmen in Bezug auf den Abbruch alter Kasernengebäude handele und dass die eigenverantwortliche Beprobung des Abbruchmaterials zu den Leistungspflichten des Abbruchunternehmers gehört habe. Danach sei die konkrete  Überwa- chung und Einhaltung der Bestimmungen betreffend das Abbruchmaterial die erstrangige Pflicht des Abbruchunternehmers gewesen, ebenso wie die Beprobung und die Veranlassung der Untersuchung der Proben. Die Architekten seien lediglich verpflichtet gewesen, das Unternehmen bei der Ausführung seiner Leistung zu überwachen. Die Bauüberwachungspflicht eines Architekten trete gegenüber einem besonders fachkundigen Unterneh- mer hinsichtlich dessen Spezialkenntnis zurück. Auch aus dem Umstand, dass für die Objektüberwachung lediglich 5 % des Gesamthonorars vereinbart gewesen seien, spreche für diese begrenzte Bauüberwachungspflicht der Architekten, so das Gericht.