Die Sonntagszeitung hat am 17. Januar zwei interessante Artikel zur Mehrwertsteuer publiziert. Sie beruhen auf Informationen der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV), die bisher nirgends publiziert waren, die aber gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz (SR 152.3) grundsätzlich jedermann zugänglich sind. Die Artikel konzentrieren sich - publikumswirksam - auf das Gastgewerbe und die Erotikbranche. Dabei kommen auch auf diesem blog kommentierte Entscheide zur Sprache, bei welchen die Anzahl verwendeter Kondome als Bemessungsgrundlage dienten. Die ESTV hat aber die Informationen zu allen wichtigen Wirtschaftszweigen geliefert. Detailliert wurden die Anzahl der Korrekturen und die Höhe der Nachbelastung sowie die Betreibungen und die Bussen aufgelistet. Kombiniert man diese Informationen mit der bereits zugänglichen MWST-Statistik, so präsentiert sich das Ergebnis für 2013 wie folgt:

Für die Nachbelastungen:

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Für Betreibungen und Bussen:

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Daraus lassen sich die folgenden Schlüsse ziehen:

  • Die Nachbelastungen sind prozentual - gemessen an der in diesem Wirtschaftszweig bezahlten Steuer auf dem Umsatz - im Grundstücks- und Wohnungswesen doppelt so hoch wie im Gastgewerbe und im Finanz- und Versicherungssektor. Am tiefsten sind die Nachbelastungen im Autogewerbe.
  • Gemessen an der Anzahl Fälle sind die Aufrechnungen im Finanz- und Versicherungssektor sowie im Grundstückswesen am höchsten. Sie betrugen in einzelnen Jahren bis zu CHF 50´000 pro Fall.
  • Das Ausfallrisiko ist für die ESTV im Gastgewerbe am höchsten; über 5% der Steuer musste in Betreibung gesetzt werden; im Automobilgewerbe sind es - etwas überraschend - nur 0,17%.
  • Dafür werden in der Autobranche 1´360 Bussen ausgesprochen; deutlich mehr als in allen anderen Branchen. Mit durchschnittlich CHF 900 fallen die Bussen aber immer noch moderat aus.
  • Die in Betreibung gesetzten MWST-Forderungen betragen für die Jahre 2008 - 2013 in den untersuchten Wirtschaftszweigen unverändert rund CHF 400 Mio.

Mit dem Ausbau des Strafdienstes ist zukünftig damit zu rechnen, dass die Anzahl und die Höhe der Bussen zunehmen werden. Die Jahresabstimmung zur Behebung von Mängeln in der MWST-Abrechnung bekommt damit noch einen grösseren Stellenwert, um Bussen zu vermeiden.

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