Nachdem die EU-Kommission im November 2008 und September 2009 Nachprüfungen in den Räumlichkeiten mehrerer Unternehmen der Zementbranche durchgeführt hatte, ersuchte sie die betreffenden Unternehmen mit Beschlüssen vom 30. März 2011 um die Beantwortung eines Fragebogens zu den Verdachtsmomenten einer Zuwiderhandlung gegen das Kartellverbot. Einige der Unternehmen warfen der Kommission vor, die mutmaßlichen Zuwiderhandlungen nicht hinreichend erläutert und ihnen eine im Hinblick auf die Vielzahl der verlangten Auskünfte und die Vorgabe, sie in einem besonders aufwändigen Antwortformat zu liefern, unverhältnismäßig belastet zu haben und erhoben Nichtigkeitsklage vor dem EuG, das diese abwies. Der EuGH kommt demgegenüber zu dem Ergebnis, dass es den Auskunftsbeschlüssen an einer hinreichenden Begründung fehlt und erklärt diese für nichtig. Die Fragen der Kommission seien außerordentlich zahlreich gewesen und betrafen ganz unterschiedliche Arten von Auskünften. Die den Erlass der Beschlüsse der Kommission rechtfertigenden Verdachtsmomente für eine Zuwiderhandlung kämen darin jedoch nicht klar und eindeutig zum Ausdruck und es lasse sich nicht feststellen, ob die verlangten Auskünfte für die Untersuchung notwendig seien. Insbesondere vor dem Hintergrund des erheblichen Umfangs der Fragen sei die Begründung äußerst knapp, vage und allgemein gehalten. Die vorliegende Konstellation sei auch nicht mit der eines Nachprüfungsbeschlusses oder Auskunftsverlangens im Rahmen der Voruntersuchung zu vergleichen. Vorliegend seien die Auskunftsverlangen mehrere Monate seit der Einleitung des Verfahrens und mehr als zwei Jahre seit den ersten Nachprüfungen (und in der Folge mehreren Auskunftsverlangen) ergangen, als die Kommission bereits über Informationen verfügte, die Verdachtsmomente für eine Zuwiderhandlung konkreter zu formulieren.