Ein kürzlich ergangener Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts (A-3286/2015) bietet Anschauungsunterricht für die Kreativität einiger Steuerpflichtigen. Da glaubte ein Treuhänder, er sei besonders schlau. Er rechnete mit seiner AG effektiv ab, machte alle Vorsteuern geltend und führte daneben eine Einzelunternehmung, die mit der Saldosteuersatz-Methode abrechnete. Sämtliche MWST-belasteten Aufwendungen wurden in der AG verbucht und der Einzelunternehmung wurde für die Benutzung der Infrastruktur und der Fahrzeuge nichts belastet. Diese Vorgehensweise wurde von der ESTV nicht akzeptiert. Sie legte für die Leistungen an die Einzelunternehmung gestützt auf einen Drittvergleich die Bemessungsgrundlage fest und rechnete die MWST auf. Der Entscheid des Bundesverwaltungsgerichtes ist nicht zu beanstanden. Das Vorgehen des schlauen Treuhänders hat aber möglicherweise die Sicht des Gerichtes für die Geltendmachung des Vorsteuerabzugs etwas getrübt:

In der durch die ESTV revidierten Periode hat die AG zusätzlich einen Vorsteuerabzug auf einer Rechnung geltend gemacht, die aus dem Jahre 2004 stammt. Die Rechnung wurde angeblich durch Verrechnung bezahlt; die damalige Leistungserbringerin ging 2004 in Konkurs. Strittig war, ob der Beschwerdeführer die Verrechnung vor oder nach Konkurseröffnung erklärt hat.

Für das BVGer war dies aber irrelevant, weil sie die Auffassung vertrat, dass der nach der vereinnahmten Methode abrechnende Beschwerdeführer die Vorsteuern in den Abrechnungen über diejenigen Abrechnungsperioden hätte in Abzug bringen müssen, in welchen die Rechnungen tatsächlich bezahlt bzw. die Verrechnungen erklärt wurden. Dies wäre 2004 der Fall gewesen. Im Streite stünden aber die Perioden 2007 bis 2009, weshalb dieser Vorsteuerabzug nicht mehr geltend gemacht werden könne.

Man mag diese Konsequenz für den schlauen Steuerpflichtigen begrüssen. Steuersystematisch aber ist sie falsch. Ein Vorsteuerabzug kann frühestens in der Periode geltend gemacht werden, in welcher die MWST-belastete Forderung (inkl. MWST) bezahlt oder mit Verrechnung beglichen worden ist. Und spätestens innerhalb der Verjährungsfrist von 5 Jahren; in unserem Beispiel also längstens bis Ende 2009.