Der Begriff der nahestehenden Personen wird im Zusammenhang mit der Definition der eng verbundenen Personen in Art. 3 lit. h MWSTG verwendet. Diese Gesetzesgrundlage hat eine deutlich engere Auslegung zur Konsequenz, als sie die ESTV noch bis Ende 2009 angewendet hat. In den Broschüren der ESTV wird der Begriff allerdings immer noch weit definiert. So umschreibt MWST-Info 11 (Luftverkehr) den Begriff wie folgt:

1.7 Nahe stehende Personen

Dies sind Personen, die aufgrund ihrer Stellung beziehungsweise ihrem Verhältnis einer eng verbundenen Person gegenüber Leistungen zu Vorzugskonditionen (gratis oder unter dem Marktpreis liegend) erhalten, die einem Dritten nicht offeriert würden. Es kann sich dabei um Familienangehörige, aber auch um Freunde und Bekannte handeln. Ebenso sind beispielsweise Schwestergesellschaften zu den nahe stehenden Personen zu zählen.

In der MWST-Info 08 (Privatanteile) geht die Definition etwas weniger weit:

c. Nahe stehende Personen

Dies sind Personen, welche aufgrund eines speziellen Verhältnisses dem Leistungserbringer gegenüber, von diesem Leistungen zu einem Vorzugspreis - der nie einem Dritten gewährt würde - beziehen können.

Diese Umschreibungen gehen deutlich über den gesetzlichen Anwendungsbereich von Art. 3 lit. h MWSTG hinaus. Der Praxis der ESTV sind aber enge Grenzen zu setzen. So kann der Begriff vor allem Stiftungen, insbesondere die firmeneigenen Pensionskassen nicht umfassen. Dies geht eindeutig aus der Botschaft zur Teilrevision des MWSTG hervor (S.13), die festhält, dass nach geltendem Recht Stiftungen und Vereine keine eng verbundenen Personen sind. Deshalb hat der Bundesrat auch vorgeschlagen, die Definition der eng verbundenen Personen auszuweiten und darunter auch die Stiftungen und Vereine zu erfassen, wenn besonders enge Beziehungen bestehen. Der Nationalrat hat dies in der Herbstsession wieder eingeengt und die Vorsorgeeinrichtungen ausdrücklich vom Kreis der eng verbundenen Personen ausgenommen.

Im Rahmen der Leistungen an das Personal muss aber gar nicht der Begriff der nahe stehenden Personen bemüht werden. Werden Leistungen an Arbeitnehmer erbracht, die deutlich unter dem Drittpreis liegen, so kann sich die ESTV an den Grundsätzen der direkten Steuern orientieren. Wenn solche unterpreisigen Leistungen als Lohnbestandteil erfasst werden müssen, dann sind sie auch Gegenstand der MWST.

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