Die fortschreitende Digitalisierung der Gesellschaft macht auch vor der internen Organisation von Unternehmen keinen Halt. Insbesondere in internationalen Unternehmen zeigen sich Veränderungen in der Konzernstruktur. Während wesentliche Entscheidungen für den Gesamtkonzern früher von der Konzernspitze getroffen und durch den jeweiligen Vorgesetzten auf Unternehmens- und Betriebsebene umgesetzt wurden, werden Entscheidungen heutzutage zunehmend für einzelne Produktsparten oder Geschäftsbereiche gesondert getroffen. Denn moderne Unternehmen sind nicht länger streng hierarchisch organisiert, sondern zeichnen sich durch eine eher funktionale Struktur aus. Häufig werden dabei “Service-Bereiche” für Themen wie HR, Finance und IT geschaffen, die mithilfe moderner Kommunikationsformen unternehmensübergreifend tätig werden. Zudem sehen sich die Geschäftsleiter konzernangehöriger Unternehmen immer häufiger der Thematik ausgesetzt, Entscheidungen anderer für “ihr” Unternehmen annehmen und umsetzen zu müssen.

1. Matrix-Struktur – was bedeutet das eigentlich?

Der vorab beschriebene funktional geprägte Aufbau eines Unternehmens führt zu einer sogenannten Matrix-Struktur. Kennzeichnend für Matrix-Strukturen ist die Trennung von fachlicher und disziplinarischer Führung der Mitarbeiter. Die Arbeitgeberfunktion wird innerhalb eines Konzerns auf mehrere Unternehmen verteilt. Ein dem Vertragsarbeitgeber angehöriger Vorgesetzter ist zu disziplinarischen Weisungen gegenüber den ihm nachgeordneten Mitarbeitern befugt. Das auf die jeweilige Funktion beschränkte fachliche Weisungsrecht wird hingegen von einem anderen Vorgesetzten ausgeübt, welcher bei einem anderen Konzernunternehmen angestellt ist.

2. Betriebsverfassungsrecht

Aus arbeitsrechtlicher Sicht stellen sich insbesondere mit Blick auf Betriebsräte Zuständigkeits- und Zuordnungsfragen.

2.1 Zuständigkeit des Betriebsrats

Schwierigkeiten ergeben sich bei Matrix-Strukturen insbesondere bei der Bestimmung des zuständigen Betriebsrats. Die Schaffung von unternehmens- oder konzernweiten Matrix-Strukturen begründet nicht zwingend eine ausnahmslose Zuständigkeit des Gesamt- oder Konzernbetriebsrates. Daher muss im Einzelfall geprüft werden, ob eine unternehmens- oder konzerneinheitliche Regelung erforderlich ist, die die grundsätzliche Zuständigkeit des lokalen Betriebsrats verdrängen könnte. Bei Entscheidungen, welche sich unternehmensübergreifend auswirken, sollte stets geprüft werden, ob sie die Zuständigkeit eines Konzernbetriebsrates begründen können.

2.2 Betriebliche Zugehörigkeit von Fachvorgesetzten

Bei der betrieblichen Eingliederung von Fachvorgesetzten muss insbesondere im Hinblick auf die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates bei Einstellungen und Versetzungen untersucht werden, welchem Betrieb bzw. Betrieben sie angehören. Nach Auffassung des LAG Baden-Württemberg und des LAG Berlin-Brandenburg kann eine Zugehörigkeit einer Person zu mehreren Betrieben bestehen. Die Bestellung eines dem Betrieb A angehörigen Mitarbeiters zum Fachvorgesetzten von Betrieb B angehörigen Mitarbeitern kann daher zur Folge haben, dass der Fachvorgesetzte nun auch dem Betrieb B zugeordnet ist. Der Betriebsrat des Betriebes B wäre dann vor der Bestellung des Mitarbeiters zum Fachvorgesetzten gemäß § 99 Abs. 1 BetrVG zu unterrichten und um Zustimmung zu ersuchen, wobei dem Betriebsrat gegebenenfalls ein Zustimmungsverweigerungsrecht nach § 99 Abs. 2 BetrVG zustände. Nach Ansicht der Landesarbeitsgerichte ist dabei unerheblich, wo der Fachvorgesetzte seine Tätigkeit ausübt und von welchem Betrieb er wiederum Weisungen erhält.

Gegen die Entscheidung des LAG Berlin-Brandenburg wurde Rechtsbeschwerde zum BAG erhoben. Dieses plant, am 25. April 2017 hierzu eine Entscheidung zu erlassen.

3. Kündigungsrecht

Im Fall von Kündigungen aus dringenden betrieblichen Gründen sind mit Blick auf zu prüfende Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten und eine durchzuführende Sozialauswahl unterschiedliche Positionen zu berücksichtigen. Die Frage, ob der zu kündigende Mitarbeiter auf einem freien Arbeitsplatz beschäftigt werden kann, ist grundsätzlich unternehmensbezogen zu prüfen. Die Sozialauswahl hat dagegen betriebsbezogen zu erfolgen.

Dieser Grundsatz gilt auch bei Matrix-Strukturen fort. Vor Durchführung der Sozialauswahl sollte aber gewissenhaft überprüft werden, welchem Betrieb der zu kündigende Mitarbeiter angehört. Die Zugehörigkeit zu einem Betrieb könnte sich durch eine Matrix-Struktur verändert haben (siehe insbesondere oben Ziffer 2.2).