Gerne möchten wir mit Ihnen zwei Informationen zur Mehrwertsteuer teilen:

1. Ein positiver Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts

Ein aktueller Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts (A-5099/2015 vom 20. Januar 2016) bestätigte unsere Sichtweise und liess den Vorsteuerabzug auf Abbruchkosten zu. Konkret ging es um die Frage, ob der Vorsteuerabzug auf Abbruchkosten zulässig ist, wenn die Liegenschaft bisher steuerbar genutzt wurde (optiert vermietet) und der Eigentümer auf einem Teil des Grundstücks später eine Wohnüberbauung realisiert. Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) wollte auf die zukünftige Nutzung abstellen und den Vorsteuerabzug verweigern. Wir vertraten die Ansicht, dass der Abbruch der Liegenschaft die bisher steuerbare Nutzung beendet und der Vorsteuerabzug deshalb zulässig sein muss. Das Gericht gab uns im Ergebnis Recht und liess den Vorsteuerabzug zu. Es argumentierte allerdings, dass zwischen dem Abbruch der Fabrik und den zu erstellenden Neubauten nur ein loser Konnex bestehe. Die für den Abbruch der Fabrik bezogenen Leistungen würden mehrwertsteuerlich nicht in zeitlicher und sachlicher (bzw. räumlicher) Nähe mit den noch zu erstellenden Neubauten stehen, weshalb der Vorsteuerabzug vollumfänglich gegeben sei.

Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig; das Bundesgericht wird unsere Sichtweise hoffentlich bestätigen und noch klarer zum Ausdruck bringen, dass auf die bisherige Nutzung abgestellt werden kann. Die Argumentation des Bundesverwaltungsgerichts könnte nämlich dazu führen, dass die bisherige Praxis der ESTV im Verkaufsfall umgestossen wird. Bisher wurde der Vorsteuerabzug auf den Abbruchkosten beim Veräusserer des unbebauten Grundstücks zugelassen, wenn die Abbruchliegenschaft für steuerbare Zwecke verwendet worden ist. Wird nun auf den Konnex zwischen Abbruch und Neubau abgestellt, so könnte dies dazu führen, dass der Vorsteuerabzug auch beim Verkäufer verweigert wird, wenn unmittelbar nach dem Abbruch und dem Verkauf der Erwerber mit der Wohnüberbauung beginnt.

2. Die aktuelle Praxis zur Option

Der Bundesgerichtsentscheid zur Option (2C_215/2014 vom 10. Oktober 2014) hat zur Konsequenz, dass der offene Ausweis der Steuer ein Gültigkeitserfordernis für die Option ist. Eine nachträgliche Anpassung der (irrtümlich) ohne MWST ausgestellten Rechnungen ist nicht mehr möglich. Die Auswirkungen dieses Entscheides und die aktuelle Praxis zur Option hat unser VAT Partner Dr. Niklaus Honauer an einem Referat an der Universität St. Gallen anfangs Februar mit Herrn Ernst Lüthi von der ESTV erläutert.