Diskutieren Bauherr und Architekt über die Möglichkeit der Nutzungsänderung eines Gebäudes und weist der Architekt darauf hin, dass er hierfür keinen Auftrag habe, ist die Äußerung des Bauherrn „Legen Sie los, fangen Sie an“ als entsprechende Beauftragung zu bewerten. Erbringt der Architekt bereits vor Auftragserteilung einzelne Leistungen, kann er hierfür nach Auftragserteilung das entsprechende Honorar verlangen, so das Oberlandesgericht München, Urteil vom 18.11.2013 – 27 U 743/13; BGH, Beschluss vom 10.09.2015 – VII ZR 338/13 (Nichtzulassungsbeschwerde wurde zurückgewiesen).

Der Architekt machte gegen den Bauherrn ein Architektenhonorar aus insgesamt drei Bauvorhaben geltend. Hinsichtlich des ersten Bauvorhabens begehrte der Architekt ein Honorar für die Leistungsphasen 1 bis 4 gemäß § 15 Absatz 2 HOAI 1996. Der Bauherr verweigerte die Zahlung. Er wendete ein, dass es an einer entsprechenden Beauftragung fehle.

Diese Auffassung teilt das Oberlandesgericht München nicht. Es wertet die Äußerung des Vertreters des Bauherrn, der Architekt solle „los legen“ als Beauftragung für die Leistungsphasen 1 bis 4. Nach einer Auftragserteilung seien die Leistungen zu honorieren, auch wenn bereits zuvor Teilleistungen gefertigt worden seien. Arbeite der Architekt vor einer Auftragserteilung, sei dies sein Risiko im Hinblick auf eine Auftragserteilung. Werde der Auftrag dann aber erteilt, könne er für die vom Auftragsumfang umfassten Planungen eine Vergütung verlangen, auch wenn sie schon vor dem Beauftragungszeitpunkt erstellt worden seien.