Kürzlich habe ich eine Verzugszinsrechnung meines Gemeindesteueramtes für die Steuerperiode 2013 erhalten. Da ich mich nicht erinnern konnte, ob ich 2013 die Steuern rechtzeitig bezahlt habe, fragte ich nach Details. Die kamen noch am gleichen Tag und der Auszug zeigte, dass ich die Steuern effektiv 12 Tage zu spät bezahlt habe. Ich beschäftige mich ja jeden Tag mit Mehrwertsteuer und nicht mit Einkommenssteuern. Da kann ja mal ein Fehler passieren. Aber ich war mir nicht mehr bewusst, die Steuern effektiv zu spät bezahlt zu haben.

Meine Abklärungen haben dann gezeigt, dass ich die Steuern wirklich am Fälligkeitstag an das Steueramt überwiesen habe. Die Zahlung kam allerdings am gleichen Tag zurück, was ich erst später bemerkt habe. Ich hatte eine falsche ESR-Nummer verwendet. Ich habe den Sachverhalt der Steuerverwaltung geschildert und bekam – immer noch am gleichen Tag – postwendend die Antwort, dass die Verzugszinsrechnung storniert werde.

Dies ist “kundenfreundliches” Verhalten. Hätte sich die Steuerverwaltung einzig auf den Wortlaut des Steuergesetzes berufen, dann wäre der Verzugszins geschuldet. Schliesslich sind die Steuern aufgrund meines Fehlers zu spät überwiesen worden.

Es wäre wünschenswert, wenn dieser pragmatische Ansatz auch bei der Mehrwertsteuer etwas mehr zur Anwendung kommt. Oft wären Aufrechnungen nämlich zu vermeiden, wenn die ESTV sich nicht nur auf den Wortlaut des Gesetzes abstützen würde.