Die Europäische Kommission hat vor kurzem den Start des Programms zur Gründung einer sogenannten Kapitalmarktunion angekündigt3 , wodurch ein einziger Kapitalmarkt für sämtliche 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union geschaffen werden soll.

Die Kapitalmarktunion soll eine effektive Diversifizierung der Finanzierungsquellen in ganz Europa bei gleichzeitiger Reduzierung der mit einer Kapitalisierung verbundenen Kosten ermöglichen. In dieser Hinsicht zielt die Diversifizierung der Finanzierungsquellen hauptsächlich auf sogenannte Business Angels sowie das Crowdfunding ab, so dass neben Unternehmern und Investoren auch der einfache Sparer von der Kapitalmarktunion profitieren kann. 

Zur Umsetzung der Kapitalmarktunion, hat die Europäische Kommission folgende Zielesetzungen festgelegt:

  • Aufteilung des europäischen Finanzmarktes,
  •  Verringerung der starken Abhängigkeit von Banken bezüglich der Beschaffung von Kapital;
  • Anpassung der Besteuerung von Aktienkapital an die Besteuerung von Schuldverschreibungen, und
  • Verbesserung des Informationsflusses über Kleinunternehmen. 

Die Umsetzung dieser Zielsetzungen soll mittels Einführung einer aufsichtsrechtlichen Lösung auf europäischer Ebene erfolgen, wobei nicht nur neue Vorschriften erlassen sondern auch die bestehenden Vorschriften bezüglich Finanzdienstleistungen angepasst werden sollen. Um „herauszufinden welche Barrieren, den Kapitalfluss behindern und auf welche Art und Weise man diese nach und nach zerschlägt4 “, hat die europäische Kommission die Veröffentlichung eines sogenannten Grünbuchs (Green Paper) 5 beschlossen, welches die Ergebnisse einer umfassenden öffentlichen Konsultation beinhaltet, die unter anderem, folgenden Themen enthält:

  • Möglichkeit der Schaffung eines einzelnen Supraaufsichtsbehörde für die Kapitalmärkte der Europäischen Union (ein Vorschlag der derzeit bei weitem nicht die Zustimmung aller Mitgliedstaaten findet), 
  • Verabschiedung allgemeiner Rechnungslegungs-/ und Bilanzierungsgrundsätze,
  • Harmonisierung von Pfandbriefen, Verbriefungen und Privatplatzierungen, und
  • Vereinheitlichung der Anforderungen der Prospektrichtlinie bezüglich der Kapitalbeschaffung durch Unternehmen. 

Das Grünbuch wird im Laufe des Monats Februar veröffentlicht werden. Im Anschluss an die Ergebnisse dieser öffentlichen Konsultation, wird die Europäische Kommission im späteren Verlauf des Jahres 2015 einen Aktionsplan vorstellen, welcher darlegt, wie die Ziele konkret zu erreicht werden sollen. Der Beauftragte Jonathan Hill erklärte im Rahmen einer Rede im November 2014, dass solch ein Aktionsplan den „ehrgeizigen Fahrplan für die Entwicklung einer gemeinsamen Kapitalmarktunion“ darstellt. 

Die Einführung der Kapitalmarktunion, welche einen Teil der politischen Leitlinien des Präsidenten der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, ist, ist für 2019 geplant.