Die Rechtsprechung zum deutschen Umsatzsteuerrecht ist immer wieder eine Fundgrube für skurile Fälle. Sie werfen natürlich auch immer die Frage auf, wie die Lösung in der Schweiz aussieht. Konkret ging es um die Frage, zu welchem Steuersatz das Entgelt für Hochzeits- und Trauerreden zu versteuern ist.

Ein Absolvent der evangelischen Theologie machte für die von ihm gehaltenen Hochzeits-, Geburtstags-, Trennungs- und Trauerreden den ermäßigten Steuersatz geltend. Die Anwendung des ermäßigten Steuersatzes ist nach Ansicht des Bundesfinanzhofes nicht davon abhängig, dass die Zuhörer ein Entgelt bezahlen. Die Steuerbegünstigung ist auch dann möglich, wenn die Vergütung durch den Veranstalter des Ereignisses, z.B. das Hochzeitspaar bezahlt wird. Entscheidend ist, dass der Redner ein „ausübender Künstler“ ist. Eigenschöpferische Leistungen müssen prägend sein; die “schablonenartige” Redetätigkeit ist zum Normalsatz zu versteuern. Der Fall wird nun an die Vorinstanz zurückgewiesen, die das zu beurteilen hat.

Wie die Frage aus Schweizer Sicht zu beantworten wäre, ist gar nicht so einfach zu beantworten. Konsultiert man die Broschüre Kultur, so stellt man fest, dass auch die Schweiz den Begriff des ausübenden Künstlers kennt. Ausübende Künstler sind gemäss Art. 33 Abs. 1 Urheberrechtsgesetz (URG) natürliche Personen, die ein Werk (…) darbieten. Und Werke sind gemäss Art. 2 URG, unabhängig von ihrem Wert oder Zweck, geistige Schöpfungen der Literatur und Kunst, die individuellen Charakter haben. Für den Redner ist deshalb zu beurteilen, ob er ein ausübender Künstler und seine Rede somit ein Werk ist. Damit kämen eigentlich ähnliche Abgrenzungskriterien wie in Deutschland zur Anwendung.

Für die schweizerische Praxis gehe ich aber eher davon aus, dass solche Reden nicht zu versteuern sind. Ich kann mir nämlich nur schwer vorstellen, wie die Eidgenössische Steuerverwaltung beurteilen will, ob es sich um eine “schablonenartige” Rede handelt.