Dies ist der 200ste Blog, den ich seit Beginn im Juni 2012 veröffentliche. Und nachdem ich verpasst habe, den 10osten Blog zu feiern, hole ich dies nun doppelt nach. Es trifft sich auch deshalb gut, weil wir kürzlich vor Bundesverwaltungsgericht (A-5099/2055 vom 20. Januar 2016) erfolgreich den Standpunkt unseres Kunden vertreten haben. Abbruchkosten berechtigen zum Vorsteuerabzug. Konkret ging es um die Frage, ob der Vorsteuerabzug auf Abbruchkosten zulässig ist, wenn die Liegenschaft bisher steuerbar genutzt wurde (optiert vermietet) und der Eigentümer auf einem Teil des Grundstücks später eine Wohnüberbauung realisiert. Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) wollte auf die zukünftige Nutzung abstellen und den Vorsteuerabzug verweigern (siehe dazu auch den Blog vom 20. April 2015). Wir vertraten die Ansicht, dass der Abbruch der Liegenschaft die bisher steuerbare Nutzung beendet und der Vorsteuerabzug deshalb zulässig sein muss. Das Gericht gab uns im Ergebnis Recht und liess den Vorsteuerabzug zu. Es argumentierte allerdings, dass zwischen dem Abbruch der Fabrik und den zu erstellenden Neubauten nur ein loser Konnex bestehe. Die für den Abbruch der Fabrik bezogenen Leistungen würden mehrwertsteuerlich nicht in zeitlicher und sachlicher (bzw. räumlicher) Nähe mit den noch zu erstellenden Neubauten stehen, weshalb der Vorsteuerabzug vollumfänglich gegeben sei.

Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig; das Bundesgericht wird unsere Sichtweise hoffentlich bestätigen und noch klarer zum Ausdruck bringen, dass auf die bisherige Nutzung abgestellt werden kann. Die Argumentation des Bundesverwaltungsgerichts könnte nämlich dazu führen, dass die bisherige Praxis der ESTV im Verkaufsfall umgestossen wird. Bisher wurde der Vorsteuerabzug auf den Abbruchkosten beim Veräusserer des unbebauten Grundstücks zugelassen, wenn die Abbruchliegenschaft für steuerbare Zwecke verwendet worden ist. Wird nun auf den Konnex zwischen Abbruch und Neubau abgestellt, so könnte dies dazu führen, dass der Vorsteuerabzug auch beim Verkäufer verweigert wird, wenn unmittelbar nach dem Abbruch und dem Verkauf der Erwerber mit der Wohnüberbauung beginnt.