Leasing ist eine wichtige finanzielle Möglichkeit, die von vielen Unternehmen wahrgenommen wird, um Liegenschaften, Produktionsanlagen und Mobilien zu nutzen, ohne anfänglich grössere Zahlungsmittelabflüsse in Kauf nehmen zu müssen. Nach der derzeitigen Regelung verbuchen die Leasingnehmer die entsprechenden Transaktionen entweder ausserhalb der Bilanz als operatives Leasing oder in der Bilanz als Finanzierungsleasing. Unter dem neuen Standard werden die Leasingnehmer nun fast jedes operative Leasingverhältnis in der Bilanz verbuchen müssen. Dabei soll ein Nutzungsrecht als Bilanzaktivum das Recht widerspiegeln, den betreffenden Vermögensgegenstand für einen bestimmten Zeitraum gegen Zahlung der Leasingraten zu in Gebrauch zu nehmen. Das Bilanzierungsmodell für den Leasinggeber bleibt im Grundsatz unverändert.

Worum geht es dabei?

Da nahezu alle Unternehmen auf Miet- oder Leasingverhältnisse für Vermögensgegenstände zurückgreifen, wird der neue Standard die meisten Firmen betreffen. Die Bilanzen werden sich verlängern, der Verschuldungsgrad erhöht sich, und die Kapitalquoten werden sinken. Sowohl der Charakter der Aufwendungen als auch der zeitliche Anfall der Aufwendungen werden sich verändern. Der neue Standard wird sich auf fast alle gängigen Finanzkennzahlen auswirken, darunter Gearing Ratio, Liquiditätsgrad, Kapitalumschlagshäufigkeit, Zinsdeckungsgrad, EBIT, Betriebsergebnis, Reingewinn, EPS, ROCE, Eigenkapitalrentabilität und Operating Cashflow. Dies kann wiederum Auswirkungen auf die Vereinbarungen des Unternehmens mit verschiedenen Stakeholdern wie Banken und Kreditgebern, Investoren, Analysten und Mitarbeitern haben und Anlass dazu geben, zukünftige Leasing- versus Kaufentscheidungen noch einmal zu überdenken. Die Folgen für die Buchhaltung und die Finanzen sind aber nur die Spitze des Eisbergs. Die neuen Regeln sind so durchschlagend, dass sich die Unternehmen möglicherweise dazu gezwungen sehen werden, ihre Geschäftsprozesse in vielen Bereichen stark anzupassen, darunter Finanzwesen und Buchhaltung, IT, Beschaffung, Steuern, Treasury, Recht, operativer Betrieb, Immobilien und HR.