Der heutige Newsletter beschäftigt sich mit der Befristung von Arbeitsverhältnissen im Profisport. Konkret geht es um die Entscheidung des Arbeitsgerichts Mainz vom 19. März 2015 – 3 Ca 1197/14.

I. Einleitung

Am 17. Februar 2016 hat die 4. Kammer des Landesarbeitsgerichts Rheinland-Pfalz über nicht weniger zu entscheiden als die Zukunft des deutschen Profifußballs, jedenfalls wenn man der überwiegenden Auffassung der Sportpresse glauben mag. Denn dann muss das LAGRheinland-Pfalz in zweiter Instanz beurteilen, ob das Arbeitsgericht Mainz der Entfristungsklage von Heinz Müller, ehemaliger Torhüter des Bundesligavereins FSV Mainz 05, zu Recht stattgegeben hat. Im Vorgriff auf das zweitinstanzliche Urteil lohnt es sich, die Entscheidung des Arbeitsgerichts Mainz noch einmal zu beleuchten. Welche Folgen ergeben sich hieraus für den professionellen Fußballsport?

II. Urteil des Arbeitsgerichts Mainz vom 19. März 2015 – 3 Ca 1197/14

Das Arbeitsgericht hatte zu prüfen, ob die zweite bis zum 30. Juni 2014 vorgesehene Befristung des Arbeitsverhältnisses zwischen Heinz Müller und dem FSV Mainz 05 wirksam war. Nein, befand das Arbeitsgericht. Das Arbeitsverhältnis bestehe unbefristet über den 30. Juni 2014 hinaus.

Für die Befristung des Arbeitsverhältnisses war ein Sachgrund erforderlich, den das Arbeitsgericht Mainz verneinte. Es begründete dies damit, dass weder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe – insbesondere dessen Wunsch nach Befristung – (§ 14 Abs. 1 Nr. 6 TzBfG) noch die Eigenart der Arbeitsleistung die Befristung rechtfertigen können (§ 14 Abs. 2 Nr. 4 TzBfG).

Das Arbeitsgericht verwarf die teilweise vertretene Ansicht, die Befristung von Arbeitsverhältnissen mit Profisportlern sei analog der Rechtsprechung zur befristeten Beschäftigung in Rundfunk- oder Presseanstalten sowie im künstlerischen Bereich durch die Eigenart der Arbeitsleistung gerechtfertigt. Denn dem kommerziellen Profisport fehle der spezifische Grundrechtsschutz (Kunst- Presse- und Rundfunkfreiheit) der die Befristung in diesen Bereichen erleichtere. Auch der Verschleiß des Klägers als Profifußballer – so das Arbeitsgericht – könne die Befristung seines Arbeitsverhältnisses nicht rechtfertigen. Soweit neben dem drohenden Verschleiß auch mit der altersbedingten Ungewissheit der Leistungsentwicklung von Profisportlern argumentiert wird, so werde damit zumindest mittelbar das Alter zum Befristungsgrund erhoben. Das aber sei von vorneherein unzulässig wegen des Verbots der Altersdiskriminierung. Auch das Abwechslungsbedürfnis des Publikums oder die Höhe der von Fußballprofis bezogenen Vergütung kann nach Ansicht des Arbeitsgerichts keinen Sachgrund für die Befristung liefern. Ein Bedürfnis des Publikums nach Personalwechsel stelle sich erst dann ein, wenn der sportliche Erfolg ausbleibt. Die (deutlich) herausgehobene Vergütung der Fußballprofis sei irrelevant. Das Befristungsrecht gelte davon unabhängig; ein „Herauskaufen“ aus der Befristungskontrolle sei unzulässig.

III. Bewertung der Entscheidung

Das Urteil des Arbeitsgerichts Mainz berücksichtigt nicht die Besonderheiten des Profisports. Zu pauschal ist die Auffassung des Arbeitsgerichts, wonach nicht generell ein Abwechslungsbedürfnis des Publikums bestünde, weil dieses sich gerade am sportlichen Erfolg bemesse. Erfolg und Misserfolg liegen im Profisport nah beieinander. Er ist wesentlich volatiler als in herkömmlichen Unternehmen. Fällt der Erfolg aus, lässt sich das Bedürfnis des Publikums nach Personalwechsel in der Regel nicht überhören.

Der Verweis des Arbeitsgerichts auf das Verbot der Altersdiskriminierung greift zu kurz. Denn die Unsicherheit der Leistungsentwicklung knüpft ja nicht per se an das Alter des Spielers an, sondern eben an die Leistungsfähigkeit, unabhängig vom Alter. Dass die Leistungsentwicklung auch bei jüngeren Profis enorm unsicher sein kann, hat unter anderem das Beispiel Sebastian Deisler gezeigt. Andere Profis hingegen waren im für Fußballer weit fortgeschrittenen Alter noch Leistungsträger ihrer Mannschaften (z.B.: Zé Roberto, Lothar Matthäus).

Bleibt noch die außergewöhnlich hohe Vergütung von Profifußballern in der Bundesliga. Hier hat das Arbeitsgericht Recht. Das Teilzeit- und Befristungsrecht gilt dogmatisch unabhängig von der bezogenen Vergütung. Die Entscheidung zeigt jedoch, dass das Befristungsrecht jedenfalls nicht ohne weiteres zum Profifußball passen will. Das Befristungsrecht verfolgt das Ziel, Missbrauchspotenziale einzudämmen und die Prekarisierung der Lage der Beschäftigten zu verhindern. Beides dürfte im Profifußball nicht zu besorgen sein.

Das Arbeitsgericht Mainz hat im konkreten Fall auch den Wunsch des Arbeitnehmers an der Befristung als Sachgrund abgelehnt. Es hat jedoch nicht generell einen objektivierbaren Wunsch von Profifußballern an der Befristung ihrer Arbeitsverhältnisse verneint. Der Sachgrund der Befristung auf Wunsch ist individuell in jedem Einzelfall festzustellen. Unzureichend wäre daher das Argument, Fußballprofis seien generell gerne befristet beschäftigt. Ein individueller, objektiver Wunsch des Fußballprofis an der Befristung dürfte aber in der Regel dennoch gegeben sein. Denn die Befristung des Arbeitsverhältnisses vereinfacht in der Regel die Karriereplanung von Profifußballern, wie das Beispiel Michael Ballack zeigt, der wegen des Auslaufens seiner Verträge sehr frühzeitig neue Kontrakte mit dem FC Bayern München und dem FC Chelsea verhandeln konnte. Weil eine Ablösesumme wegen der Beendigung des Vertrages beim abgebenden Verein nicht zu zahlen war, konnte diese auch in das Gehalt Ballacks beim neuen Verein „eingepreist“ werden.

IV. Ausblick

Eins vorweg: Das Urteil des Arbeitsgerichts Mainz entschied einen Einzelfall. Es hat nicht generell befristete Arbeitsverträge im Profifußball für unzulässig erklärt, sondern nur im Fall Müller. Ob Ziel des Befristungsrechts wirklich die Beschäftigung von Profifußballern bis zur Rente ist, bleibt einstweilen ungeklärt. Festzuhalten ist aber auch: Der Profifußball bewegt sich nicht in einem rechtsfreien Raum, sondern hat sich zunehmend einem komplexer werdenden rechtlichen Umfeld zu stellen. Diskutiert wird schon seit langem, ob nicht ein Sonderrecht „Profisport“ zweckmäßiger wäre. Dies könnte nicht nur das (Sport-)Arbeitsrecht, sondern auch andere im Sport nicht unproblematische Rechtsmaterien, zum Beispiel das sportspezifische Strafrecht (Doping!) regeln. Dies ist jedoch Sache des Gesetzgebers. Bis dahin gilt: LAGRheinland-Pfalz, übernehmen Sie!