Das Start-Up Ökosystem in Österreich wächst: A1 hat vor kurzem gemeinsam mit anderen Investoren 1,2 Millionen Euro in das Start-Up Parkbob investiert. Was macht das Investment in Start-Ups so attraktiv?

Kulnigg: Neben den allseits erhofften finanziellen Erfolgsaussichten ist vor allem für Unternehmen interessant, neue Produkte oder Geschäftsbereiche über externe Partner aufzubauen um sie dann im Erfolgsfall zu integrieren. Der Vorteil für das Unternehmen liegt hier darin, dass Start-Ups in der Regel flexibler und freier agieren können, als unternehmensinterne Abteilungen. Daneben gibt es viele private Investoren, die nicht nur ihr Geld veranlagen wollen sondern auch jungen, motivierten Menschen arbeiten und gestalten möchten. All diese Gründe machen Investitionen in Start-Ups attraktiv und interessant.

Worauf sollte man achten, wenn man in ein Start-Up investieren möchte?

Kulnigg: Vertrauen ist essentiell. Der Investor muss auf die Fähigkeit des Teams vertrauen, eine Idee zu entwickeln und diese erfolgreich auf den Markt zu bringen. Dabei sollten sich Investoren nicht abschrecken lassen, wenn Start-Ups beim Aufbau schon einmal gescheitert sind. Man lernt sehr viel aus Fehlern!

Es gibt aber natürlich Knock-Out Kriterien für Investoren, wie zum Beispiel wenn eine Idee von vornherein rechtlich nicht umsetzbar ist, oder wenn eine Nische doch bereits besetzt ist.

Wie weiß ich, in welche Branche ich investieren soll?

Kulnigg: Man sollte grundsätzlich in Branchen investieren, für die man ein Gefühl oder noch besser in denen man Erfahrung hat. Das ist oft auch die Basis für Start-Ups, Investoren überhaupt zu akzeptieren. Stichwort: Smart Money. Start-Ups suchen oft Investoren, die ihnen bei der Produktentwicklung der Vermarktung helfen können. Andererseits ist der berühmte Blick über den Tellerrand besonders für Start-Ups essentiell, um distruptive Techniken oder Prozesse zu entwickeln.

Welche Branchen sind für Investoren gerade besonders attraktiv?

Kulnigg: Es gibt viele attraktive Bereiche. Besonders viel Aktivität sehen wir im Bereich FinTech, HealthTech und InsuranceTech. Aber auch im Bereich Augmented Reality, Blockchain und Chatbots gibt es weiterhin viel Potenzial für attraktive Investments.

Was sollten sie rechtlich besonders in Österreich im Auge behalten?

Kulnigg: Das heimische Rechtssystem ist für Start-Ups und Investoren nicht so schlecht wie viele meinen. Natürlich ist es verbesserungsfähig. Oft müssen strenge Formvorschriften beachtet werden, zum Beispiel bei GmbH-Geschäftsanteilen. Gerade hier passieren oft Fehler. Zum Beispiel vergessen Start-Ups und Investoren oft, dass Vereinbarungen über die Verfügung über Geschäftsanteile eines Notariatsaktes bedürfen.

Welche Arten der Finanzierung von Start-Ups gibt es?

Kulnigg: Klassisch finanzieren sich Start-Ups über Eigenkapital, also über die Ausgabe von neuen Geschäftsanteilen oder den Erwerb von bestehenden Geschäftsanteilen gegen Zahlung eines Investitionsbetrags. Alternativ dazu sind sogenannte "Genussrechte" attraktiv, die mit weniger strengen Formvorschriften verbunden sind als Geschäftsanteile.

Daneben sehen wir oft Nachrangdarlehen oder Wandeldarlehen, aber auch klassische Darlehen. Hier sind vor allem regulatorische Vorschriften zu beachten, denn die Vergabe von Darlehen ist generell Banken vorbehalten. Besonders in Österreich interessant sind natürlich auch Förderungen von zB AWS und FFG.

Welche Informationen & Unterlagen sollten Start-Ups vorlegen, damit Investoren hellhörig werden?

Kulnigg: Das sogenannte "Pitch-Deck" ist entscheidend. Auf wenigen Slides muss das Start-Up sich, seine Idee und seinen Business Plan vorstellen. Die Herausforderung hier ist, komplexe Technologien oder Prozesse mit wenigen Worten attraktiv zu präsentieren. Natürlich sollten Start-Ups auch Informationen über ihre Bewertungsvorstellungen und auch das notwendige oder gewünschte Finanzierungsvolumen bereithalten. Damit beginnt natürlich auch schon die Verhandlung der Investitionsbedingungen.

Was können Start-Ups machen, um besonders attraktiv zu sein?

Kulnigg: Besonders attraktiv für Investoren sind Geschäftsmodelle mit einer hohen Skalierbarkeit. Das bedeutet, die Idee ist grenzenlos, und nicht nur lokal oder punktuell, einsetzbar. Trifft dies bei meiner Idee zu, sollte ich das herausstreichen.

Welche weiteren Tipps haben Sie für Start-Ups?

Kulnigg: Wichtig ist es, sich früh über den Einsatz seiner Produkte und Technologien Gedanken zu machen. Das macht auch bei vielen rechtlichen Themen Sinn: gleich zu Beginn sollte man sich zB Gedanken über die geplante Marke, Absicherung von Know-How und die Ausarbeitung von Verträgen mit Lieferanten, Kunden und Mitarbeitern machen. Start-Ups, die vorausdenken und besser aufgestellt sind, sind naturgemäß attraktiver für Investoren, und man hat bessere Argumente bei der Verhandlung der Investitionsbedingungen.