Die Monopolkommission hat in ihrem 72. Sondergutachten vom 27. Oktober 2015 zur dieses Jahr anstehenden GWB-Novelle dazu geraten, die deutschen Bußgeldvorschriften in § 81 GWB weiter an die europäischen Formulierungen in Art. 101 f. AEUV, die Praxis der Europäischen Kommission und die europäische Rechtsprechung anzugleichen. Der Haftungsumfang müsse alle Unternehmensteile erfassen. Dies ergebe sich unmittelbar aus dem Begriff des „Unternehmens“ in Art. 101 f. AEUV. Andernfalls sei (weiterhin) eine unterschiedliche Behandlung von Kartelltätern bei der Verfolgung durch die deutschen oder die europäische Kartellbehörde zu befürchten. Die Umsetzung des Vorschlags werde allerdings zu einer Verschärfung der Bußgeldhaftung (entsprechend der europäischen Praxis) führen. Natürliche Personen sollten überdies stärker in Haftung genommen werden können, um einen Bewusstseinswandel mit Blick auf Kartelltaten herbeizuführen. Für eine weitere Kriminalisierung von schwerwiegenden Kartellverstößen empfiehlt die Monopolkommission die Schaffung einer Strafvorschrift. Die Straftat solle von Amts wegen verfolgt und mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe zu ahnden sein. Die Monopolkommission empfiehlt schließlich, Vermögensverschiebungen ebenfalls strafrechtlich mit einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren zu bestrafen. Dies solle Vorgehensweisen wie im sog. Wurstkartell künftig verhindern (zum Fall s. Newsletter 2/2015). Als ergänzende Sanktion bei Verstößen gegen die Straftatbestände sei die Verhängung eines Berufsverbots in Betracht zu ziehen.